Wenn Statistik zur Waffe wird – wie Medien wirtschaftliche Realität verzerren

Wenn Statistik zur Waffe wird – wie Medien wirtschaftliche Realität verzerren
Photo by Leonardo Miranda / Unsplash

Untertitel:
Der Streit um die Inflation in Argentinien zeigt, wie selektive Darstellung ganze Narrative kippen kann – und warum Anleger lernen müssen, hinter die Zahlen zu schauen.

Einleitung

Die ARD-Sendung Monitor berichtete kürzlich über die Wirtschaftslage in Argentinien unter Präsident Javier Milei – und zog prompt Kritik auf sich.
Der Vorwurf: Durch eine geschickte Auswahl von Bezugszeiträumen und Diagrammen habe die Redaktion die wirtschaftliche Trendwende kleingeredet.

Im Mittelpunkt steht die Frage:
Wie objektiv kann Wirtschaftsjournalismus überhaupt sein, wenn jede Statistik Interpretationsspielraum bietet?

Das Beispiel Argentinien

Im Focus-Gastbeitrag von Rainer Zitelmann heißt es, Monitor habe Mileis Erfolge bei der Inflationsbekämpfung „kaputtgerechnet“.
Während die Sendung auf eine Jahresinflation von rund 160 % verwies, blendete sie laut Kritik aus, dass die monatliche Inflation seit Dezember 2023 drastisch gefallen ist – von über 25 % auf etwa 4 %.

Beide Zahlen sind richtig.
Aber sie erzählen völlig verschiedene Geschichten:

  • Die Jahresrate zeigt, wie groß der Rückstand aus der Vergangenheit ist.
  • Die Monatsrate zeigt, was sich aktuell verändert.

Welche man hervorhebt, entscheidet also, ob man eine Krise oder eine Erholung beschreibt.

Medienlogik vs. Marktrealität

Wirtschaftsjournalismus liebt klare Narrative – den Helden, den Versager, den Retter.
Doch Wirtschaft ist selten so einfach.
In Argentinien läuft derzeit ein harter Anpassungsprozess: radikale Ausgabenkürzungen, ein gefrorener Wechselkurs, fallende Löhne, steigendes Vertrauen an den Kapitalmärkten.

Für Investoren sind diese Phasen entscheidend.
Denn oft zeigt sich ein wirtschaftlicher Wendepunkt zuerst in den Daten, lange bevor die öffentliche Wahrnehmung kippt.
Medien dagegen orientieren sich an Aufmerksamkeit – und die folgt Emotionen, nicht Tabellen.

Warum das Anleger betrifft

Wer an den Märkten erfolgreich sein will, darf sich nicht auf Schlagzeilen verlassen.
Zwischen „Wahrheit“ und „Darstellung“ liegt häufig ein monatelanger Zeitversatz.
In dieser Lücke entstehen Gewinne – oder Verluste.

Ob man Milei politisch unterstützt oder nicht:
Seine Politik ist ein Lehrbuchfall dafür, wie Daten unterschiedlich klingen, je nachdem, wer sie präsentiert.
Und wie schwer es ist, ökonomische Realität von politischer Kommunikation zu trennen.

Fazit

Der Streit zwischen Monitor und seinen Kritikern zeigt:
Nicht die Statistik lügt – sondern der Mensch, der sie auswählt.
Wer wirklich verstehen will, was in einer Volkswirtschaft passiert, muss lernen, die Zahlen selbst zu lesen.
Für Anleger ist das kein Luxus, sondern Überlebensnotwendigkeit.

Quelle

„Monitor“ manipuliert bei Milei: So rechnet die ARD Argentiniens Erfolge kaputt – Gastbeitrag von Rainer Zitelmann, Focus Online