Wenn Anleger die Bewertung nicht mehr „verstehen“

Wenn Anleger die Bewertung nicht mehr „verstehen“
Photo by Mariia Shalabaieva / Unsplash

Kürzlich schrieb jemand auf X:

„Ich versteh die Bewertung bei der Bude einfach nicht mehr.
Da muss dann irgendwann der Tag mit -50 % kommen.“

Quelle: @derfachwirt auf X

Dieser Satz taucht immer dann auf, wenn ein Unternehmen in eine neue Wachstumsphase eintritt – und die meisten beginnen, linear zu denken, während sich das Geschäft exponentiell entfaltet.

Lineares Denken vs. Zinseszins-Denken

Menschen neigen dazu, den Fortschritt als gerade Linie zu sehen:
Wenn eine Aktie schon 300 % gestiegen ist, dann muss sie irgendwann wieder fallen.
Das klingt vernünftig – aber Märkte folgen oft anderen Gesetzen.

Der Zinseszins wirkt nicht nur bei Kapital, sondern auch bei Technologien:
Jede neue Anwendung, jeder zusätzliche Kunde, jedes weitere Datenmodell schafft neue Wertschöpfungsschleifen.
Es entsteht Wachstum auf Wachstum, also der gleiche Effekt, den wir beim Geld als Zinseszins kennen.

Apple als Musterbeispiel

Wer Apple bei 2,50 US-Dollar gesehen hat, dachte: „Kann ja nicht ewig so weitergehen.“
Bei 10 Dollar dasselbe.
Bei 100 Dollar wieder.
Und doch war die Aktie bei jedem „zu hoch“ – weil sich das iPhone als Standard etabliert hat und der Markt noch gar nicht gesättigt war.

Mit jedem verkauften Gerät entstand ein neues Ökosystem: App Store, iCloud, Services, Wearables.
Das war kein normales Wachstum, sondern ein Ketteneffekt, der sich selbst verstärkte.

Palantir und der nächste Netzwerkeffekt

Heute könnte Palantir in einer ähnlichen Phase stehen.
Die KI-Revolution ist erst am Anfang, und Palantir sitzt genau dort, wo sich Daten, Entscheidungen und Automatisierung treffen.
Wenn Unternehmen und Behörden ihre Datenflüsse mit Palantir-Software strukturieren, entsteht ein Ökosystem, das immer schwerer zu ersetzen ist.

Viele sagen jetzt: „Das ist zu teuer.“
Aber vielleicht ist das erst der Anfang eines Zinseszinseffekts auf technologischer Ebene – nicht auf Kapitalseite, sondern auf der Wirkungsebene.

Fazit

Wenn man eine Bewertung „nicht mehr versteht“, heißt das oft nur,
dass man die neue Phase des exponentiellen Wachstums noch nicht erkennt.
Palantir mag heute ambitioniert bewertet erscheinen –
doch wer nur auf die aktuelle Zahl schaut, übersieht das Prinzip,
das seit jeher Reichtum erzeugt: Zinseszins – in Geld, in Technologie und in Netzwerken.