Wenn Analysten anfangen, Berkshire zu unterschätzen, ist das meist ein gutes Zeichen
Berkshire Hathaway wurde von Keefe, Bruyette & Woods (KBW) auf „Underperform“ herabgestuft.
Begründung: Probleme bei GEICO, mögliche Belastungen durch Zölle und die Unsicherheit um Warren Buffetts Nachfolge.
Doch wer Berkshire kennt, weiß: Solche Phasen sind selten Warnsignale – sie sind oft Kaufgelegenheiten.
Zyklische Skepsis
Das Muster ist altbekannt. Immer wenn Berkshire dem Markt etwas hinterherhinkt, finden Analysten Gründe, warum „diesmal alles anders“ sei.
Mal ist es die Apple-Abhängigkeit, mal der Versicherungszyklus, mal der Rückzug Buffetts.
Und doch zeigt die Statistik: Nach Herabstufungen folgen überdurchschnittliche 12-Monats-Renditen.
Die Ursache ist einfach: Berkshire reagiert spät, aber stark.
Wenn Liquidität, Rückkäufe und Versicherungsgewinne sich im Zyklus drehen, läuft die Aktie oft doppelt so gut wie der Markt.
Fundament statt Fantasie
Aktuell sitzt Berkshire Hathaway auf rund 350 Milliarden US-Dollar an Bargeld und kurzfristig liquiden Anlagen – ein historischer Rekord.
Das ist kein Zeichen von Passivität, sondern Ausdruck extremer Finanzstärke.
Buffett wartet auf Gelegenheiten, die andere nicht mehr wahrnehmen können.
Berkshire investiert stetig in eigene Aktienrückkäufe und hält eine Beteiligungsstruktur, die kaum konjunkturanfällig ist:
- BNSF Railway und die Energie-Tochter liefern stabile Cashflows.
- GEICO hat Preiserhöhungen durchgesetzt und verbessert die Combined Ratio.
- Die Industrie-Beteiligungen profitieren von der Reindustrialisierung der USA.
Kurz: Berkshire ist nicht „unterperformend“, sondern unterbewertet.
Buffetts wahre Stärke
Die Analysten sehen Buffetts Rückzug als Risiko. Ich sehe ihn als Erfolg der Dezentralisierung.
Das System Berkshire funktioniert längst ohne zentrale Steuerung.
Todd Combs und Ted Weschler handeln rational, diszipliniert und mit Buffetts DNA im Hintergrund.
Das ist kein Risiko – das ist Proof of Culture.
Fazit
Wenn Analysten anfangen, Berkshire zu unterschätzen, ist das meist ein gutes Zeichen.
Es bedeutet, dass die Aktie langweilig aussieht, die Erwartungen niedrig sind und die Erträge leise weiterlaufen.
Genau dann entfaltet Berkshire seinen Zinseszinseffekt – unauffällig, aber unaufhaltsam.
Schaukasten: Die wachsende Cash-Power von Berkshire Hathaway
| Jahr | Cash & Kurzfristige Anlagen (Mrd. USD) | Anmerkung |
|---|---|---|
| 2015 | 61 | Nach der Precision-Castparts-Übernahme reduziert |
| 2016 | 85 | Versicherungsfloat wächst wieder deutlich |
| 2017 | 109 | Hohe Rücklagen trotz Aktienrückkäufe |
| 2018 | 112 | Apple-Gewinne kompensieren Investitionsausgaben |
| 2019 | 128 | Buffett klagt über „fehlende Kaufgelegenheiten“ |
| 2020 | 146 | Pandemie-Unsicherheit, starke Cashakkumulation |
| 2021 | 144 | Rückkäufe intensiviert, aber Cash stabil |
| 2022 | 147 | Occidental-Beteiligung steigt, Cash leicht rückläufig |
| 2023 | 157 | Versicherungsgewinne steigen wieder |
| 2024 | 334 | Rekordniveau, kaum große Zukäufe |
| 2025 (Q1) | 347,7 | All-time-high laut Q1-Bericht |
Quellen: Berkshire Hathaway Annual Reports, Reuters, Investopedia, CompaniesMarketCap (Stand Q1 2025).
Quellenkasten
- Marketscreener: Berkshire Hathaway von KBW auf Underperform herabgestuft
- Berkshire Hathaway 10-Q, Q1/2025
- Reuters: Berkshire’s Cash Hoard Hits Record $347.7B, Mai 2025
- Investopedia: Berkshire Hathaway Earnings Q1 FY2025
- CompaniesMarketCap: Berkshire Hathaway – Cash on Hand