Was die Schweiz verstanden hat – und Deutschland vergessen hat Zwei Modelle, zwei Ergebnisse
Die Zeitreihe der Maddison Project Database zeigt über 170 Jahre hinweg ein klares Muster: Die Schweiz hat ihren Vorsprung bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf nie verloren – und in den letzten zwei Jahrzehnten wieder deutlich ausgebaut.
Beide Länder starteten im 19. Jahrhundert auf ähnlichem Niveau. Während die Schweiz auf Stabilität, Eigenverantwortung und Kapitalbildung setzte, wurde Deutschland im 20. Jahrhundert durch politische Extreme, Kriege und eine zunehmende Staatsfixierung gebremst. Nach 1945 folgte das Wirtschaftswunder – eine Phase, in der Leistung, Ingenieurskunst und unternehmerischer Mut belohnt wurden. In den 1980er-Jahren war der Abstand zur Schweiz fast geschlossen.
Doch Deutschland hat sein Erfolgsmodell aufgegeben. An die Stelle marktwirtschaftlicher Dynamik sind Planungsrat, Förderprogramme und Regulierungswut getreten. Bürokratie, Energiepolitik und Steuerlast ersticken Initiative und Innovation. Die Politik diskutiert über Umverteilung, während Unternehmen abwandern und Investitionen stagnieren. Die Folge: schwache Produktivität, sinkende Wettbewerbsfähigkeit, wachsende Staatsabhängigkeit.
Die Schweiz dagegen hat ihr Erfolgsmodell bewahrt. Sie setzt weiterhin auf niedrige Unternehmenssteuern, föderale Eigenverantwortung, Kapitalerhalt und politische Stabilität. Entscheidungen werden dezentral getroffen, nicht in Ministerien. Leistung wird belohnt, nicht bestraft.
Das Ergebnis spricht für sich: 2021 lag die reale Wirtschaftsleistung pro Kopf in der Schweiz bei rund 65.000 US-Dollar, in Deutschland bei 45.000 – ein Rückstand von etwa 45 Prozent. Und die Schere öffnet sich weiter.
Wohlstand ist kein Zufall. Er entsteht dort, wo man ihn nicht umverteilt, sondern ermöglicht.