Warum viele Anleger unnötig viel Geld verlieren – und wie man die gesamte Abgaben-Lawine umgehen kann
Ein Gedanke, der mir an einem ruhigen Samstagnachmittag kam: Wenn man in Deutschland von seinem Aktiendepot leben möchte, verliert man erstaunlich viel Geld. Nicht, weil die Aktien schlecht laufen, sondern weil jeder Verkauf eine ganze Kette an Abgaben auslöst, über die kaum jemand wirklich nachdenkt.
Ich möchte diesen Gedanken einmal verständlich aufschreiben.
1. Das Grundproblem – man braucht weniger Netto, aber muss mehr Brutto verkaufen
Angenommen, jemand braucht 12.000 Euro im Jahr, um seine laufenden Kosten zu decken. Viele glauben: Dann muss man 12.000 Euro Aktien verkaufen.
Tatsächlich muss man aber fast 24.000 Euro verkaufen, damit am Ende 12.000 Euro netto übrig bleiben.
Warum?
Weil bei jedem Aktienverkauf Folgendes passiert:
- 25 % Abgeltungssteuer
- 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer
- Krankenversicherungsbeiträge (wenn man freiwillig gesetzlich versichert ist)
- Verlust der Familienversicherung, wenn man bisher familienversichert war
- und im politischen Raum steht sogar die Idee, Rentenversicherungsbeiträge auf Kapitalgewinne zu erheben
Damit verliert man schnell 40 bis 50 Prozent des Gewinns. Das heißt:
Um 12.000 Euro zu behalten, muss man fast das Doppelte verkaufen.
Und jedes Jahr schrumpft das Depot dadurch – der Zinseszinseffekt wird unterbrochen.
2. Der Vergleich mit dem Schneeball – aber diesmal negativ
Warren Buffett beschreibt Vermögen als Schneeball, der immer größer wird, wenn man ihn rollen lässt.
In Deutschland entsteht beim Aktienverkauf ein anderer Schneeball:
- Steuern
- Soli
- Krankenkasse
- eventuell Rentenversicherung
- Verwaltungsaufwand
- Verlust von Vorteilen wie Familienversicherung
- langfristig weniger Depotwachstum
Dieser Schneeball rollt ebenfalls – nur in die falsche Richtung.
3. Ein völlig anderer Ansatz: Liquidität ohne Steuerereignis
Es gibt einen legalen und überraschend einfachen Weg, all diese Abgaben zu vermeiden:
Man verkauft nicht. Stattdessen nimmt man sein Depot als Sicherheit und holt sich einen Kredit daraus.
Ein Kredit ist:
- kein Einkommen
- nicht steuerpflichtig
- nicht beitragspflichtig
- kein Grund, die Familienversicherung zu verlieren
- kein Anlass für Meldungen an Behörden
Man erhält einfach Bargeld, ohne dass irgendetwas versteuert oder verbeitragt wird.
Und das Depot bleibt vollständig investiert.
4. Warum das mathematisch so stark ist
Ein Beispiel macht es klar:
- Depotgröße: 1.000.000 Euro
- Entnahme über Kredit: 12.000 bis 24.000 Euro pro Jahr
- typische Aktienmarktrendite: 6–8 % pro Jahr
- Kredit wächst nur linear und kostet oft weniger als eine eigene Krankenversicherung
Der eigentliche Clou ist jedoch dieser:
Schulden wachsen linear – ein gutes Depot wächst exponentiell
Ein Kredit steigt Jahr für Jahr in gleichmäßigen Schritten.
Ein solides Aktienportfolio wächst nicht linear, sondern beschleunigt – exponentiell.
Nach einigen Jahren ergibt sich ein immer größerer Abstand zwischen Depotwert und Schulden.
Und dieser Abstand arbeitet für den Anleger.
Dazu kommt: Inflation entwertet Schulden automatisch
Der reale Wert der Kreditlast schrumpft jedes Jahr.
Aktien dagegen profitieren langfristig von Inflation, Produktivität, Innovation und globalem Wachstum.
Wichtig: Das funktioniert nur mit stabilen Qualitätsaktien
Dieses Modell eignet sich nicht für Zockerpapiere oder extrem volatile Titel.
Notwendig sind:
- bewährte Unternehmen
- globale Marktführer
- langfristig stabile Geschäftsmodelle
Nur dann überholt das Depot die Schulden zuverlässig.
5. Dividenden vermeiden – steuerliche Ruhe gewinnen
Dividenden lösen automatisch Steuern und Krankenversicherungsbeiträge aus. Man kann sich dagegen nicht wehren.
Aber man kann Aktien wählen, die:
- keine Dividende zahlen
- stattdessen Gewinne reinvestieren
- langfristig stärker wachsen
Solange man weder verkauft noch Dividenden erhält, passiert steuerlich schlicht nichts.
6. Und irgendwann? Dann zahlt man den Kredit zurück – aber clever
Kredite lassen sich später aus steuerfreien Quellen tilgen:
- Verkauf einer selbstgenutzten Immobilie (steuerfrei)
- Auszahlungen aus Versicherungen
- Schenkungen und Erbschaften
- oder: Auswanderung in ein Land ohne Kapitalertragsteuer und dortige steuerfreie Verkäufe
Das steuerpflichtige Ereignis wird in die Zukunft verschoben – zu einem Zeitpunkt und an einem Ort der eigenen Wahl.
7. Warum Politik oft an der Realität vorbeirechnet
Politiker stellen sich häufig vor:
„Wenn wir auf Kapitalgewinne zusätzlich Rentenbeiträge erheben, dann fließen automatisch Milliarden in die Kassen.“
Was dabei übersehen wird:
Menschen passen ihr Verhalten an. Immer.
Dieses Prinzip ist seit Jahrzehnten bekannt.
Man sieht es bei der Tabaksteuer:
Erhöht man sie zu stark, wandern Raucher in alternative Bezugsquellen ab – und der Staat nimmt weniger ein als geplant.
Bei Kapitalerträgen ist es nicht anders:
- Wenn man die Belastung zu hoch treibt, verkaufen Anleger nicht mehr.
- Wenn man Abgaben an jede Realisation koppelt, werden Realisationen vermieden.
- Wenn man Kapitalerträge doppelt und dreifach belegt, verschieben Menschen ihr Verhalten, ihre Depots oder sogar ihren Wohnsitz.
Und noch etwas:
Die wirklich Vermögenden haben ohnehin weit ausgefeiltere Strategien.
Sie wandern aus, strukturieren um oder verlagern Vermögen professionell.
Wenn man ihnen Steine in den Weg legt, bleiben sie nicht einfach stehen – sie gehen.
Die Politik macht Pläne.
Der Markt reagiert.
Und wer langfristig denkt, richtet sein Verhalten einfach so aus, dass man stets einen Schritt voraus ist, statt Energie in politische Entscheidungen zu investieren, die man nicht beeinflussen kann.
8. Fazit
Wer Aktien verkauft, löst eine Abgaben-Lawine aus.
Wer dagegen Liquidität über einen Depotkredit erzeugt, vermeidet diese Lawine vollständig.
- Keine Steuer
- Keine Sozialbeiträge
- Kein Verlust der Familienversicherung
- Kein Verwaltungsaufwand
- Depot bleibt investiert
- Zinseszinseffekt bleibt ungebrochen
- Inflation entwertet die Schulden
- Exponentielles Wachstum überholt lineare Schulden
- Tilgung kann aus steuerfreien Quellen erfolgen
Für viele Anleger ist das eine völlig neue Perspektive. Aber eine, die sich logisch erschließt, wenn man die Mechanik dahinter versteht.
Manchmal muss man nur einen Schritt zurücktreten – oder mit dem Hund spazieren gehen –, um zu merken, dass es Wege gibt, die man bisher gar nicht in Betracht gezogen hat.
Schlusswort
Zum Abschluss ein Satz von André Kostolany, der perfekt auf dieses Thema passt:
„Besser eine Stunde über Geld nachdenken als eine Stunde für Geld arbeiten.“