Warum Regulierung keine Antwort auf den technologischen Abstieg ist
Angela Merkels KI-Warnung als Symptom europäischer Ohnmacht
Angela Merkel sprach kürzlich von einer bevorstehenden „Schlacht“ zwischen Europa und den USA um Künstliche Intelligenz.
Der entsprechende Artikel erschien bei Bild:
„Merkel spricht von Schlacht mit den USA“
Der Ton ist alarmierend, moralisch aufgeladen – und zugleich entlarvend.
Denn wer von einer „Schlacht“ spricht, signalisiert vor allem eines: fehlende eigene Schlagkraft.
Die Mahnerin im Rückspiegel der eigenen Amtszeit
Angela Merkel positioniert sich heute als nüchterne Stimme der Vernunft, die vor den Risiken unkontrollierter Technologie warnt.
Das passt zu ihrem politischen Stil: moderierend, regulierend, bremsend.
Was dabei auffällt: Die technologische Abhängigkeit Europas ist kein neues Problem.
Sie ist das Ergebnis einer Epoche, in der Digitalisierung verwaltet statt ermöglicht wurde.
- Digitale Infrastruktur wurde verschleppt
- Risikokapital blieb randständig
- Technologiepolitik war Ordnungspolitik
Die heutige Warnung wirkt daher weniger wie strategische Weitsicht, sondern eher wie nachträgliche Selbstverortung: als moralische Instanz in einer Welt, die man technologisch nicht mehr gestaltet.
KI lässt sich nicht „nachbauen“
Deutschland konnte frühere Industriebrüche bewältigen: Maschinenbau, Automobil, Chemie.
Man investierte, perfektionierte, holte auf.
Bei Künstlicher Intelligenz funktioniert dieses Modell nicht mehr.
KI entsteht dort, wo drei Dinge gleichzeitig vorhanden sind:
- Hochleistungs-Chips
- enormes privates Kapital
- eine Kultur schneller Iteration und hohen Risikos
Europa – und besonders Deutschland – fehlt alles drei.
Das ist kein temporärer Rückstand, sondern ein struktureller Nachteil.
Regulierung als Ersatzhandlung
Wenn technologische Antworten fehlen, bleibt Politik.
Der europäische Reflex ist bekannt:
- Regeln statt Produkte
- Moral statt Skalierung
- Kontrolle statt Innovation
Doch Regulierung schafft:
- keine Chips
- keine Plattformen
- keine Technologieführer
Sie trifft vor allem die eigenen Unternehmen – nicht die globalen Marktführer.
Warum selbst europäische Gründer Deutschland meiden
Besonders deutlich zeigt sich das Problem bei jungen Gründern aus Europa.
Viele denken heute von Anfang an:
- international
- US-Markt
- Holding außerhalb Deutschlands
Nicht aus Ideologie, sondern aus Erfahrung.
Der Standort Deutschland bedeutet:
- Überregulierung
- langsame Verwaltung
- arbeitsrechtliche Starrheit
- Risikoaversion bei Finanzierung
Ist man erst einmal mit einer Firma „deutsch verankert“, wird Skalierung schwer.
Nicht technisch – kulturell.
Die deutsche Mentalität:
- Perfektion vor Geschwindigkeit
- Sicherheit vor Wachstum
- Fehlervermeidung statt Experiment
Das ist Gift für Software- und Plattformmodelle.
Kompetenzentwertung statt Kompetenzverlust
Deutschland hat seine Fähigkeiten nicht verloren.
Aber sie werden weniger gebraucht.
- Präzision ist Standard
- Qualität ist Mindestanforderung
- Prozesse sind automatisierbar
Gefragt sind heute:
- Tempo
- Kapitalallokation
- globale Skalierung
- Produktdenken
Die Krise liegt nicht im Können, sondern in der sinkenden Nachfrage nach diesem Können.
Fazit
Angela Merkels Warnung vor einer „KI-Schlacht mit den USA“ ist weniger Ausdruck strategischer Stärke als ein Symptom europäischer Ohnmacht.
Europa reguliert, weil es nicht führt.
Deutschland mahnt, weil es nicht mehr gestaltet.
Technologische Souveränität entsteht nicht durch Regeln, sondern durch Kompetenz, Kapital und Geschwindigkeit.
Perfekte Spaltmaße gewinnen keine Plattformökonomie.