Warum der Staat nicht nur versagt – sondern aktiv dagegen arbeitet
In den USA gibt es seit Jahrzehnten den 401(k)-Plan.
Ein simples Prinzip: Wer privat fürs Alter vorsorgt, wird steuerlich entlastet, nicht bestraft. Der Staat weiß: Ohne Kapitalmärkte ist Altersvorsorge nicht finanzierbar.
In Deutschland wusste man seit den 1990er-Jahren, dass das Rentensystem implodiert.
Millionen Babyboomer gehen gleichzeitig in Rente.
Weniger Beitragszahler, mehr Empfänger.
Das war keine Überraschung. Das war bekannt.
Und trotzdem hat der deutsche Staat exakt das Gegenteil dessen getan, was logisch gewesen wäre.
Die große Lüge: „Private Vorsorge wird gefördert“
Wenn ein Staat private Altersvorsorge ernsthaft fördern will, dann gilt ein Grundsatz:
Zinseszins darf nicht unterbrochen werden.
Denn Vermögen entsteht nicht durch hohe Renditen, sondern durch Zeit ohne Störung.
Deutschland hat sich entschieden, genau diesen Mechanismus systematisch zu sabotieren:
- Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge
- Vorabpauschale auf nicht realisierte ETF-Gewinne
- Wegzugsbesteuerung auf ETFs (seit neuestem auch für ganz normale Privatanleger relevant)
Das ist kein Zufall.
Das ist ein Muster.
Abgeltungssteuer: Der erste Sand im Getriebe
Die Abgeltungssteuer wird oft als „Vereinfachung“ verkauft.
In Wahrheit ist sie eine Dauerbremse auf den Zinseszinseffekt.
Jeder entnommene Euro, jede laufend besteuerte Rendite fehlt künftig als Kapitalbasis.
Das ist, als würde man in ein laufendes Getriebe regelmäßig Sand streuen.
Das Getriebe funktioniert noch.
Aber es verschleißt schneller.
Und irgendwann bricht es.
Vorabpauschale: Besteuerung von Gewinnen, die es noch gar nicht gibt
Mit der Vorabpauschale hat Deutschland eine neue Stufe erreicht:
Besteuerung von theoretischen Erträgen.
Du hast nichts verkauft.
Du hast keinen Cashflow.
Aber du sollst zahlen.
Das ist kein Fördern von Vorsorge.
Das ist Liquiditätsentzug aus langfristigem Sparen.
Wer Jahrzehnte sparen will, braucht Planungssicherheit – keine jährliche staatliche Gewinnschätzung.
Wegzugsbesteuerung: Wenn selbst Aufhören bestraft wird
Jetzt wird es endgültig absurd.
Wenn du sagst:
„Ich habe genug. Ich möchte mein ETF-Depot behalten und vielleicht irgendwann woanders leben.“
Dann sagt der Staat:
„Moment. Wir tun jetzt so, als hättest du alles verkauft.“
Fiktiver Verkauf. Fiktive Gewinne. Reale Steuern.
Das ist kein Missverständnis.
Das ist eine klare Botschaft:
Dein Vermögen gehört uns – auch wenn du es nie realisiert hast.
Von Fahrlässigkeit zu Vorsatz
Man kann vieles als Inkompetenz erklären.
Aber nicht alles.
- Das Rentensystem war absehbar nicht finanzierbar
- Private Vorsorge wäre zwingend notwendig gewesen
- Trotzdem wird Vermögensaufbau systematisch gestört
- Und wer sich entziehen will, wird sanktioniert
An diesem Punkt ist „Unfähigkeit“ keine überzeugende Erklärung mehr.
Das sieht nach Vorsatz aus.
Nicht, weil der Staat „böse“ ist –
sondern weil ein kollabierendes System Kapital braucht.
Und Kapital lässt sich leichter abschöpfen,
wenn es nie richtig wachsen darf.
Der Staat braucht arme Bürger – keine vermögenden
Ein unbequemer Gedanke:
Ein Bürger mit Vermögen ist unabhängig.
Ein Bürger ohne Vermögen ist steuer- und kontrollierbar.
Je weniger Rücklagen Menschen haben, desto:
- abhängiger werden sie von staatlichen Transfers
- weniger mobil sind sie
- weniger Verhandlungsmacht haben sie
Ein Bürger mit Vermögen kann sagen:
„Nein.“
Ein Bürger ohne Vermögen nicht.
Der Gegenbeweis: Schweiz
Die Schweiz zeigt, dass es auch anders geht:
- Keine Kapitalertragsteuer auf private Wertpapiere
- Keine Vorabpauschale
- Keine Wegzugsfantasien auf Buchgewinne
- Umschichten, Sparen, Wachsen lassen – ohne Dauerintervention
Ergebnis:
- Hohe private Vermögen
- Hohe Eigenverantwortung
- Hohe Stabilität
Nicht trotz dieser Freiheit.
Sondern wegen ihr.
Was man mit dieser Erkenntnis machen kann
Wenn man akzeptiert, dass der Staat Vermögensaufbau nicht nur ignoriert, sondern aktiv behindert, ändern sich die Spielregeln:
- Zeit wird wichtiger als Rendite
- Steuerlogik wird wichtiger als Produktauswahl
- Standortfragen werden Teil der Anlagestrategie
- Abhängigkeit vom Rentensystem wird minimiert
Nicht aus Ideologie.
Sondern aus Selbstschutz.
Fazit
Deutschland hat die Rentenkrise nicht verschlafen.
Es hat sie verwaltet – auf Kosten derer, die vorsorgen wollten.
Der Staat unterbricht systematisch den Zinseszins.
Er besteuert Erwartungen.
Und er bestraft sogar den Ausstieg.
Das ist kein Unfall mehr.
Das ist ein System, das sich selbst am Leben hält –
indem es den Vermögensaufbau seiner Bürger klein hält.
Wer das versteht, hört auf, sich zu wundern.
Und fängt an, strategisch zu denken.