Warren Buffett, Coca-Cola und die Kunst des langen Atems

Warren Buffett, Coca-Cola und die Kunst des langen Atems
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Guten Morgen, liebe Börsianer.

Es gibt Investmentgeschichten, die fast schon zum Lehrbuch gehören – und Warren Buffetts Einstieg in Coca-Cola gehört zweifellos dazu. Ende der 1980er-Jahre, nach dem Börsencrash von 1987, griff Buffett dort zu, wo andere Anleger die Finger ließen. Er investierte rund 1,3 Milliarden US-Dollar in eine Marke, die damals als altmodisch und überbewertet galt. Viele hielten ihn für verrückt.

Doch wie so oft lag das „Orakel von Omaha“ goldrichtig.


Einfache Idee, gewaltiger Effekt

Buffett sah in Coca-Cola das, was andere übersahen:
eine ikonische Weltmarke, die über Generationen hinweg eine unveränderte Nachfrage hat.
Ein Produkt, das sich leicht mit Inflation verteuern lässt, ohne dass die Kunden abspringen. Und ein Unternehmen, das seit über 100 Jahren Cashflows wie am Fließband produziert.

Heute, über drei Jahrzehnte später, ist Buffetts Coca-Cola-Investment eine Dividendenmaschine.
Er besitzt über 400 Millionen Aktien, die jährlich rund 700 Millionen US-Dollar Dividende abwerfen. Damit hat Berkshire Hathaway die ursprüngliche Investition längst mehrfach über Dividenden zurückerhalten.

Anders gesagt: Buffett hält seine Coca-Cola-Aktien heute praktisch zum Nulltarif – und profitiert weiterhin vom stetigen Cashflow.


Buffett’s Coca-Cola-Investment auf einen Blick

Kennzahl Jahr / Zeitraum Wert / Schätzung
Erstkauf 1988–1989 ca. 1,3 Mrd. USD
Anzahl der Aktien ca. 400 Mio. Stück unverändert seit 1994
Dividende 2025 rund 0,485 USD pro Quartal 1,94 USD pro Jahr
Jährliche Dividende an Berkshire ≈ 700 Mio. USD Tendenz steigend
Kumulierte Dividenden seit Kauf > 10 Mrd. USD entspricht ca. 8× Kaufpreis
Buchwert der Position (2025) rund 25 Mrd. USD +1.800 % Kursgewinn
Haltedauer über 35 Jahre kein Verkauf je erfolgt

Hat Buffett das Investieren verlernt?

Oft wird Buffett vorgeworfen, er sei „zu altmodisch“ geworden, würde „Tech verpassen“ oder „die neue Welt nicht mehr verstehen“. Doch genau Coca-Cola zeigt das Gegenteil.

Buffett hat nicht das Investieren verlernt – er hat es verfeinert.
Statt wie früher nach unterbewerteten „Zigarrenstummeln“ zu suchen, investiert er seit den 1980er-Jahren in großartige Unternehmen zu fairen Preisen. Seine Philosophie:

„Wenn du ein wirklich wunderbares Unternehmen findest, ist der beste Haltedauer-Zeitraum: für immer.“

Coca-Cola ist der Prototyp dieses Denkens – Marke, Burggraben, Stabilität und stetiger Cashflow.


Warum ich trotzdem keine Coca-Cola-Aktie besitze

Ich selbst halte keine Coca-Cola-Aktien direkt, profitiere aber über meine Berkshire-Hathaway-Beteiligung davon. Berkshire ist heute einer der größten Einzelaktionäre der Coca-Cola Company – und jede Dividendenzahlung aus Atlanta fließt indirekt auch in meine Tasche.

Das ist für mich der Charme an Berkshire:
Ich investiere nicht in einzelne Marken, sondern in Buffetts gesamtes Portfolio aus Cashflow-Giganten.
Coca-Cola ist nur ein Baustein davon – aber einer der beständigsten.


Fazit

Warren Buffett kaufte Coca-Cola, als die Welt über ihn lachte.
Heute lacht niemand mehr – außer vielleicht er selbst, über die stetig wachsenden Dividenden.

Coca-Cola ist kein aufregendes Investment. Aber es ist ein Paradebeispiel für die Macht von Zeit, Zinseszins und Markenstärke.
Und wer Berkshire Hathaway im Depot hat, besitzt ein Stück davon – ganz ohne selbst eine Flasche zu öffnen.