Von zwei auf tausend – und trotzdem Unsinn

Von zwei auf tausend – und trotzdem Unsinn

Warum viele Krypto-Prognosen Anleger in die Irre führen

In Krypto-Foren und Finanzportalen tauchen regelmäßig spektakuläre Überschriften auf:

„Ex-Banker sieht XRP bei 1.000 US-Dollar!“
„Diese Altcoin wird Bitcoin überholen!“

Solche Schlagzeilen funktionieren, weil sie Emotionen ansprechen.
Sie geben Anlegern mit kleinem Einsatz große Hoffnung – „wenn ich jetzt 1.000 Euro investiere, könnte ich Millionär werden“.
Aber die Wahrheit ist: Diese Rechenart ist grob irreführend.

Quelle des Artikels:
„Weder Bitcoin noch Ethereum: Diese Kryptowährung soll laut Ex-Banker massives Potenzial haben“ – boerse-online.de


Der Denkfehler: Preis pro Coin

Viele Anleger vergleichen Coins über den Preis pro Stück.
Das wirkt logisch – ist es aber nicht.

Beispiel:

  • Bitcoin kostet 110.000 US-Dollar
  • XRP kostet 2,60 US-Dollar

Die spontane Reaktion: „XRP ist ja viel billiger, der kann noch steigen!“
Doch dieser Vergleich ist so sinnvoll wie zu sagen:

„Ein Kaugummi ist billiger als eine Rolex – also hat der Kaugummi mehr Aufholpotenzial.“

Die entscheidende Kennzahl: Marktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung ergibt sich aus:

Preis pro Coin × Umlaufmenge

Sie zeigt, wie viel Kapital insgesamt in einem Projekt steckt.

Beispiel Preis Umlaufmenge Marktkapitalisierung
Bitcoin 110.000 $ 19,7 Mio Coins ≈ 2,17 Billionen $
XRP 2,60 $ 59,8 Mrd Coins ≈ 155 Mrd $

Wenn XRP also 1.000 US-Dollar kosten würde, läge die Marktkapitalisierung bei rund 59 Billionen US-Dollar – das wäre mehr als der gesamte US-Aktienmarkt.

Das zeigt: Solche Prognosen sind mathematisch nahezu ausgeschlossen.


Warum Medien trotzdem solche Geschichten bringen

  1. Zahlen verkaufen sich besser als Logik.
    „1.000 Dollar Kursziel“ klickt sich besser als „unrealistische Marktkapitalisierung“.
  2. Viele Anleger denken in Multiplikatoren.
    „Von 2 auf 1.000 = 500ד klingt greifbar.
  3. Titel wie ‚Ex-Banker‘ verleihen scheinbare Seriosität.
    Das weckt Vertrauen, auch wenn die Analyse faktisch wertlos ist.

Das Banken-Narrativ – klingt logisch, ist es aber nicht

Gerade rund um XRP hält sich ein weiteres Versprechen hartnäckig:

„XRP wird das Geld der Banken – damit wird künftig alles in Echtzeit abgewickelt.“

Für viele, die die Idee nicht zu Ende denken, klingt das plausibel.
Banken, Geld, Blockchain – das ergibt auf den ersten Blick ein rundes Bild.
Doch in der Praxis brauchen Banken dafür gar kein externes Token.

Große Institute wie JPMorgan nutzen längst eigene digitale Währungen (z. B. den JPM Coin),
und auch Zentralbanken arbeiten an eigenen Digitalwährungen.
Wenn es nur darum geht, Geld digital und sofort zu übertragen,
reicht ein tokenisierter Dollar oder Euro völlig aus – ohne XRP dazwischen.

Das „Banken-Narrativ“ wirkt also nur, weil es so einfach klingt.
Es verkauft sich gut, aber technisch ist es längst überholt.


Wie man sich davor schützt

  • Nie den Preis isoliert betrachten. Immer Umlaufmenge und Marktkapitalisierung mitdenken.
  • Prognosen hinterfragen: Wie viel Kapital müsste fließen, um das Kursziel zu erreichen?
  • Selbst rechnen: Ein Taschenrechner schützt besser als jeder Analyst.

Fazit

Krypto-Hoffnungsgeschichten leben von Emotionen – nicht von Mathematik.
Wer sich an Marktkapitalisierung statt an Schlagzeilen orientiert, erkennt schnell:
Die meisten „1.000-Dollar-Prognosen“ sind kein Investment-Signal, sondern Klick-Köder.
Und wer beim nächsten Mal hört, dass XRP das „Geld der Banken“ werde,
sollte sich fragen:
Warum sollten Banken ein spekulatives Token kaufen, wenn sie längst ihr eigenes digitales Geld schaffen können?