Sand im Bitcoin-Getriebe

Sand im Bitcoin-Getriebe
Photo by Kanchanara / Unsplash

Wie die Indexbetreiber MicroStrategys großen Plan ausbremsen

Michael Saylor galt lange als Architekt einer genialen Idee:
Eine börsennotierte Firma nutzt ihre Aktie, um immer mehr Bitcoin zu akkumulieren.
Steigt der Kurs, kann sie neue Aktien ausgeben, frisches Kapital aufnehmen – und noch mehr Bitcoin kaufen.
Ein selbstverstärkender Kreislauf, ein gut geöltes Getriebe.

Doch genau dieses Getriebe bekommt nun Sand ab – und zwar ausgerechnet von den Indexbetreibern.


Das „Saylor-Flywheel“

  1. Aktienkurs steigt → Marktvertrauen wächst
  2. MicroStrategy emittiert neue Aktien oder Wandelanleihen
  3. Mit dem frischen Geld werden neue Bitcoins gekauft
  4. Der wachsende Bitcoin-Bestand treibt den Aktienkurs weiter an

Solange der Kurs steigt, funktioniert dieses Modell perfekt.
Doch ein zentraler Teil des Plans war immer: die Aufnahme in den S&P 500.
Denn das hätte einen automatischen Kapitalzufluss ausgelöst – durch ETFs, Pensionsfonds und Indexfonds,
die dann verpflichtet wären, MicroStrategy-Aktien zu kaufen.


Die neue Barriere: Bitcoin-Quote über 50 Prozent

Genau hier setzen die Indexbetreiber an.
Laut Bloomberg und MarketWatch arbeiten S&P Dow Jones Indices und MSCI inzwischen mit internen Schwellenwerten:
Unternehmen, deren Bilanz mehr als 50 Prozent aus Krypto-Assets besteht, gelten nicht mehr als „operativ tätige Firmen“,
sondern als „Investmentvehikel“.

Das betrifft nicht nur MicroStrategy (heute Strategy Inc.),
sondern auch Dutzende andere Firmen weltweit, die Bitcoin als primäres Reserve-Asset halten.

In Hongkong sollen Börsenaufsichten laut Medienberichten sogar noch weitergehen:
Firmen mit zu hohem Krypto-Exposure werden von Indexzulassungen und Börsenlisten ausgeschlossen –
ein klares Signal an die Branche.


Schaukasten: Die 50-Prozent-Regel
Wenn mehr als die Hälfte der Bilanzsumme eines Unternehmens aus Kryptowährungen besteht,
wird es von vielen Index-Anbietern nicht mehr als „klassisches Unternehmen“ geführt.

Folge:Keine Aufnahme in große Indizes (z. B. S&P 500, MSCI World)Automatische Ausschlüsse bei ESG- oder Risiko-basierten FondsEingeschränkter Zugang zu passivem Kapital

Sand im Getriebe

Damit fällt ein zentraler Baustein in Saylors Plan weg:
Ohne Indexaufnahme kein ETF-Zwangskauf, keine automatische Nachfrage, kein Kapitalstrom aus passiven Fonds.

Das System, das Bitcoin über die Aktienmärkte hebeln sollte, verliert damit seine Schmierung.
Der Motor läuft noch – aber mit spürbarem Widerstand.


Fazit

Saylor hat gezeigt, dass man über die Kapitalmärkte Bitcoin in die Bilanzen bringen kann.
Doch die Gegenreaktion der Finanzarchitektur kam prompt:
Die großen Indexhäuser streuen Sand ins Getriebe –
und bremsen so einen der ambitioniertesten Bitcoin-Pläne der letzten Dekade.

Wie Saylor darauf reagiert, bleibt offen.
Aber eines ist klar: Das System hat gelernt, wie man sich gegen das wohl gefährlichste Trojanische Pferd der Wall Street verteidigt.


Quellen und weiterführende Artikel