Opportunitätskosten – der Preis jeder Entscheidung
Die meisten Anleger schauen auf Gewinne und Verluste.
Die entscheidende Größe taucht dort jedoch nicht auf:
Opportunitätskosten.
Sie entstehen immer dann, wenn man sich für eine Option entscheidet und damit alle anderen ausschließt.
Was Opportunitätskosten wirklich sind
Opportunitätskosten sind der entgangene Nutzen der besten nicht gewählten Alternative.
Sie betreffen:
- Investitionen
- Nicht-Investitionen
- Umschichtungen
- Konsum
- Zeit
- Aufmerksamkeit
Es gibt keine kostenfreien Entscheidungen.
Nur Entscheidungen, deren Kosten nicht sichtbar sind.
Investieren heißt vergleichen, nicht hoffen
Ein einfaches Beispiel aus dem Depot:
- Aktie A steigt 5 %
- Aktie B steigt im selben Zeitraum 15 %
Es gab keinen Verlust.
Und doch sind 10 % Opportunitätskosten entstanden.
Das Kapital war gebunden –
nur eben an der falschen Stelle.
Cash ist keine neutrale Position
Auch Nichtstun erzeugt Opportunitätskosten.
Wer Kapital in Cash hält, verzichtet auf:
- Rendite
- Zeit im Markt
- Zinseszinseffekte
Cash ist sinnvoll, wenn:
- Alternativen schlechter sind
- Flexibilität einen Wert hat
- Risiko reduziert werden soll
Cash ist teuer, wenn es Geduld ersetzt, nicht ergänzt.
Konsum als Sonderfall sicherer Opportunitätskosten
Konsum ist ein besonders klarer Fall von Opportunitätskosten.
Der Unterschied:
Beim Konsum weiß man von Anfang an,
dass der finanzielle Wert sinkt.
Ein Konsumgut:
- erzeugt keinen Cashflow
- ist nicht reinvestierbar
- verliert über Zeit an Wert
Ökonomisch ist Konsum daher sichere negative Rendite.
Ein Rechenbeispiel, das das Problem sichtbar macht
50.000 werden heute ausgegeben oder alternativ investiert.
- Rendite: 20 % p. a.
- Zeitraum: 20 Jahre
- Restwert eines Konsumguts nach 20 Jahren: 4.000
50.000 × (1,20)²⁰ ≈ 1.917.000
Die Opportunitätskosten der Entscheidung betragen:
rund 1,9 Millionen
Der Konsum kostet nicht den Kaufpreis,
sondern das entgangene Zukunftskapital.
„20 % Rendite sind unrealistisch“ – ein Denkfehler
Diese Aussage hält historisch nicht stand.
Berkshire Hathaway erzielte über Jahrzehnte hinweg
eine durchschnittliche Jahresrendite von rund 20 %.
Keine Prognose.
Keine Garantie.
Aber ein Beweis dafür, was Zeit + Kapitalallokation leisten können.
Opportunitätskosten im Lebenszyklus des Investors
Phase 1: Kapitalaufbau
Die größten Opportunitätskosten entstehen durch Nicht-Investieren.
Phase 2: Kapitalverstetigung
Fehlallokation wird teurer als Volatilität.
Phase 3: Kapitalerhalt
Fehler lassen sich nicht mehr aufholen.
Opportunitätskosten heißen nun Risikovermeidung.
Warum dieses Denken so selten ist
Opportunitätskosten:
- stehen in keinem Kontoauszug
- lösen keine Emotionen aus
- lassen sich nicht sofort messen
Und doch bestimmen sie langfristig:
- Vermögenshöhe
- Freiheit
- Handlungsspielräume
Fazit
Opportunitätskosten sind kein Börsenbegriff.
Sie sind ein Lebensprinzip.
Jede Entscheidung ist auch eine Entscheidung gegen etwas anderes.
Wer das versteht, investiert nicht aggressiver.
Er investiert bewusster.
BullishOne