KI-Aktien zwischen Substanz und Spekulation
Künstliche Intelligenz bleibt das große Thema an den Kapitalmärkten. Doch innerhalb dieses Megatrends zeigt sich zunehmend ein Muster, das man aus früheren Innovationszyklen kennt: die Trennung zwischen Substanz und Spekulation. Zwei Unternehmen stehen dabei sinnbildlich für die Gegensätze dieser Bewegung – Alphabet und Palantir.
Alphabet: Die Rückkehr des Schwergewichts
Alphabet galt zu Beginn der KI-Euphorie für viele als Nachzügler. Während kleinere, spezialisierte Anbieter die Schlagzeilen dominierten, schien der Google-Konzern in der Rolle des Zauderers. Doch genau das hat sich 2025 geändert.
Alphabet hat seine KI-Fähigkeiten nicht über Hype, sondern über Integration in bestehende Produkte ausgebaut: in die Suche, in YouTube, in Cloud-Dienste. Diese stille Evolution hat dazu geführt, dass das Unternehmen heute wieder als ernstzunehmender Treiber der Branche gilt.
Anleger honorieren die Stabilität eines Geschäftsmodells, das selbst in Phasen hoher technischer Umbrüche verlässlich Cashflow generiert. In gewisser Weise verkörpert Alphabet jene „zweite Welle“ der KI-Bewertung, bei der nicht mehr die Vision zählt, sondern die Monetarisierung.
Palantir: Der Traum bleibt teuer
Auf der anderen Seite steht Palantir. Das Unternehmen ist längst kein Start-up mehr, doch es wird von Investoren noch immer wie ein technologischer Hoffnungsträger gehandelt. Palantir verkauft Software, die Datenströme auswertet und Entscheidungsprozesse automatisiert – insbesondere für Regierungen und große Industriekonzerne.
Fundamental betrachtet bleibt das Wachstum beachtlich, die Bewertung aber ambitioniert. Palantir ist zu einem Grad Symbol für die Erwartung, nicht für das Ergebnis geworden. Charttechnisch mag die Aktie stark aussehen, wirtschaftlich steht sie vor der Herausforderung, ihre hohen Margen auch jenseits staatlicher Großaufträge zu rechtfertigen.
Während Alphabet auf Stabilität und Integration setzt, lebt Palantir von Narrativ und Expansion. Es sind zwei Modelle, die nebeneinander existieren – aber nicht denselben Bewertungsmaßstab verdienen.
Der KI-Zyklus: Ernüchterung nach der Euphorie
Die aktuelle Marktlage erinnert an andere Innovationsphasen: das Internet um 1999, Elektromobilität um 2020, Krypto 2021. Am Anfang steht die technologische Verheißung, gefolgt von Kapitalzufluss, Bewertungsexzessen – und schließlich der Suche nach Nachhaltigkeit.
Im KI-Sektor hat diese dritte Phase begonnen. Unternehmen, die reale Anwendungen, Nutzerbasis und Margen aufweisen, werden allmählich wieder höher gewichtet als jene, die von zukünftigen Visionen leben. Alphabet profitiert von dieser Neubewertung, Palantir kämpft mit ihr.
Fazit
Die künstliche Intelligenz wird nicht an Schlagzeilen scheitern, sondern an ihrer Wirtschaftlichkeit gemessen werden.
Alphabet und Palantir zeigen, dass beide Wege – Stabilität und Wagnis – Teil desselben Marktes sind. Doch nur einer davon lässt sich langfristig halten.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben dienen ausschließlich Informationszwecken.