Investoren blicken hoffnungsvoll auf 2026 – trotz Flaute im Hier und Jetzt

Investoren blicken hoffnungsvoll auf 2026 – trotz Flaute im Hier und Jetzt
Photo by Anna Keibalo / Unsplash

Es ist eine dieser Phasen, in denen die Börse ihre eigene Logik lebt. Während viele Wirtschaftsindikatoren in Deutschland auf „grau“ stehen, kletterte der DAX Mitte Oktober auf ein neues Allzeithoch. Auftragseingänge sinken, die Industrieproduktion ging zuletzt um mehr als vier Prozent zurück – und trotzdem bleibt die Stimmung an den Märkten erstaunlich optimistisch.

Wie passt das zusammen?


Erwartungen statt Realität

Wer die letzten Monate beobachtet hat, erkennt schnell: Die Gewinne der großen DAX-Unternehmen stagnieren. Anfang des Jahres rechneten Analysten noch mit einem Plus von über zehn Prozent, inzwischen erwartet man sogar leicht rückläufige Zahlen. Und doch steigt der Index weiter.

Der Grund ist simpel – und typisch für die Börse: Bewertung statt Bilanz. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist von etwa 13 auf rund 17 gestiegen. Anleger zahlen also mehr für denselben Ertrag, in der Hoffnung, dass es 2026 wieder bergauf geht.


Hoffnung auf das kommende Jahr

Viele setzen auf eine Art „wirtschaftlichen Frühling“:

  • Die EZB dürfte im Laufe des nächsten Jahres die Zinsen deutlich senken – vielleicht von 4 % auf 2 %.
  • Der Staat plant neue Investitionsprogramme, um die Wirtschaft zu stimulieren.
  • Und in China zeigen die jüngsten Konjunkturpakete erste Wirkung, was für exportorientierte deutsche Firmen Rückenwind bedeuten könnte.

Mit anderen Worten: Noch läuft der Motor nicht rund, aber man hört schon das Gasgeben.


Zwischen Risiko und Zuversicht

Natürlich gibt es Gegenwind. Ein schwächerer Dollar macht deutsche Exporte teurer, mögliche US-Zölle von 15 % könnten das Geschäft zusätzlich dämpfen. Auch geopolitische Spannungen bleiben ein Unsicherheitsfaktor.

Trotzdem herrscht ein merkwürdig stabiler Grundoptimismus. Vielleicht, weil sich Anleger daran gewöhnt haben, dass schlechte Nachrichten nicht automatisch fallende Kurse bedeuten. Vielleicht auch, weil viele keine echte Alternative zu Aktien sehen – Zinsen hin oder her.


Ein Sonntag zwischen Zahlen und Zuversicht

Es ist ein wenig wie beim Herbstwetter: Zwischen Nebel und Sonne liegt manchmal nur ein Tag. Die Märkte leben von dieser Erwartung, dass sich der Nebel irgendwann lichtet.

Ob 2026 wirklich das „Erholungsjahr“ wird, weiß niemand. Aber genau dieses offene, leicht hoffnungsvolle Gefühl ist es, was viele Investoren gerade antreibt – und was den Sonntagmorgen mit einer Tasse Kaffee und einem Blick auf den DAX irgendwie spannend macht.