Inflation verstehen
Wenn die Inflationsrate sinkt, atmen viele auf – doch der Effekt wird meist falsch verstanden. Eine sinkende Inflationsrate bedeutet nicht, dass Preise fallen. Sie bedeutet nur, dass sie langsamer steigen.
Ein einfaches Beispiel:
Steigen die Preise im Januar um 5 % und im Februar nur noch um 3 %, ist das kein Rückgang des Preisniveaus. Es ist weiterhin ein Anstieg – nur mit weniger Tempo.
Ein echtes Sinken der Preise tritt erst bei Deflation auf, also bei negativer Inflation. Das ist historisch selten und wird von Zentralbanken meist aktiv verhindert.
Inflation ist kumulativ
Wie Daten von Tagesgeldvergleich.net zeigen, wirkt Inflation wie Zinseszins – nur in die falsche Richtung.
Jedes Jahr mit positiver Inflationsrate erhöht das Preisniveau dauerhaft. Auch wenn die Rate zwischenzeitlich sinkt, bleibt die Steigerung kumulativ bestehen.
"Jeder Wert über 0 % bedeutet, dass die Preise weiter steigen."
Seit 1950 sind die Verbraucherpreise in Deutschland um ein Vielfaches gestiegen. Deflationäre Phasen gab es praktisch keine. Wer sein Geld über Jahrzehnte einfach nur aufbewahrt hat, hat reale Kaufkraft verloren – leise, aber kontinuierlich.
Warum das System so konstruiert ist
Inflation ist kein Unfall, sondern Teil des Systems.
Zentralbanken und Regierungen profitieren davon, dass Schulden durch Geldentwertung real an Gewicht verlieren. Für den Sparer jedoch bedeutet das: nominale Sicherheit, reale Entwertung.
Solange Geldpolitik darauf ausgerichtet bleibt, eine „moderate Inflation“ als wünschenswert zu betrachten, wird der Euro kein stabiles Wertaufbewahrungsmittel sein.
Fazit
Eine sinkende Inflationsrate ist kein Grund zur Entwarnung. Sie bedeutet nur, dass der Preisdruck nachlässt – nicht, dass er verschwindet.
Wirklich stabile Preise wären eine Inflationsrate von 0 %.
Alles darüber bedeutet: schleichender Kaufkraftverlust.
Wohlstand schützt nur, wer versteht, wie Geldsysteme wirklich funktionieren – und entsprechend handelt.
Quelle: Tagesgeldvergleich.net – Inflationsraten & Statistiken, Statistisches Bundesamt, EZB-Datenbank