Follow the Money – Warum der neue Private-Equity-Hype mich misstrauisch macht

Follow the Money – Warum der neue Private-Equity-Hype mich misstrauisch macht
Photo by rc.xyz NFT gallery / Unsplash

Von Christian | BullishOne.com | Oktober 2025


Einleitung

In den letzten Wochen häufen sich Schlagzeilen wie:

  • "Die Superreichen kehren den Aktienmärkten den Rücken." (Julius Bär Family Barometer, zitiert in WELT.de)
  • "Deutsche Bank öffnet Private Equity für vermögende Privatkunden." (Handelsblatt)

Beides passiert zur selben Zeit.
Und genau da werde ich hellhörig.

Ich habe in den letzten zwölf, dreizehn Jahren als Investor eines gelernt:

Was stark beworben wird, ist selten unterbewertet.
Die besten Investments muss man selbst finden – nicht auf einem Flyer.

1. Der Widerspruch im System

Wenn die Superreichen laut Studien ihre Aktienquoten senken, Cash aufbauen und illiquide Assets meiden –
warum drängen Banken jetzt massiv Private-Equity-Produkte in den Markt?

Zwei Möglichkeiten:

  1. Die Elite irrt sich.
  2. Oder Banken suchen neue Käufer für Assets, aus denen andere gerade aussteigen wollen.

Ich tippe auf Nummer 2.


2. Private Equity wird „massentauglich“

Private Equity war jahrzehntelang ein Spielfeld institutioneller Investoren und Milliardäre.
Hohe Mindestanlagesummen, lange Laufzeiten, kaum Transparenz.

Jetzt also die „Demokratisierung“:
ELTIF 2.0, Evergreen-Fonds, Private Markets Access für alle.

Klingt modern.
Aber: Wenn ein Markt plötzlich „zugänglich“ gemacht werden muss,
dann meist nicht, weil er zu billig ist –
sondern weil Liquidität fehlt.

Das ist kein Zufall. Das ist Vertrieb.


3. Das Timing ist verdächtig

Aktienmärkte sind teuer.
Zinsen bleiben hoch.
Börsengänge stocken.

Viele Private-Equity-Fonds sitzen auf Beteiligungen, die sie nicht mehr flüssig verkaufen können.
Also sucht man neue Anleger – diesmal im gehobenen Privatkundensegment.

Erinnerungen an alte Zyklen kommen auf:

  • 2006: "Immobilienfonds = sicherer Hafen"
  • 2021: "Tech-ETFs = neue Stabilität"
  • 2025: "Private Equity = Alternativrendite"

Die Überschrift ändert sich, das Muster bleibt.


4. Follow the Money

Mein Leitspruch war immer:

Follow the Money – nicht die Werbung.

Und das „smart money“ zieht sich gerade zurück.
Buffett und Berkshire Hathaway sitzen auf über 350 Milliarden USD Cash,
wahrscheinlich bald 400 Milliarden.

Keine Hektik, keine Fonds-Kampagne, kein Pitchdeck.
Nur Geduld.

Das ist keine Angst vor Risiko –
das ist die Vorbereitung auf Chancen,
wenn die Liquidität versiegt und Bewertungen wieder Sinn machen.

Ich persönlich würde aktuell nur in Unternehmen investieren,
die selbst über massive Cashreserven verfügen –
Unternehmen wie Berkshire Hathaway, Apple oder andere große Player,
die in keinem Quartal auf frisches Kapital angewiesen sind.
Wer seine eigenen Übernahmen, Rückkäufe und Investitionen
aus der eigenen Bilanz finanzieren kann,
hat im nächsten Abschwung den längeren Atem.


5. Fazit

Private Equity ist nicht per se schlecht.
Aber der Zeitpunkt, zu dem es aggressiv beworben wird,
macht mich skeptisch.

Wenn Banken den Einstieg anpreisen,
während die Superreichen den Rückzug antreten,
dann ist das selten Demokratisierung –
sondern meist Umverteilung von Risiko.

Ich bleibe lieber bei Cash, Cashflow und klaren Bilanzen.
Oder, um es mit Buffetts Gelassenheit zu sagen:

You pay a very high price for a cheery consensus.

Schlussgedanke

Wer wissen will, wo Kapitalströme wirklich hinfließen,
muss nicht den Werbeflyern folgen.
Sondern dem leisen Klirren von Liquidität,
die sich aus den Märkten zurückzieht –
um im nächsten Sturm wieder zuzuschlagen.