Die versteckte Steuerfalle: Warum „Rente mit 73“ Anleger hart trifft – und gute Börsenentscheidungen plötzlich teuer werden

Die versteckte Steuerfalle: Warum „Rente mit 73“ Anleger hart trifft – und gute Börsenentscheidungen plötzlich teuer werden

Die Debatte über eine mögliche „Rente mit 73“ wird oberflächlich geführt. Politiker reden über Arbeitskräftemangel, Demografie, Rentenfinanzen. Doch kaum jemand versteht den eigentlichen finanziellen Sprengsatz:

Die Erhöhung des Rentenalters verschiebt den Zugang zur Krankenversicherung der Rentner (KVdR). Dieser Status entscheidet darüber, ob Kapitalerträge geschützt sind oder nicht. Und genau hier liegt der stille, aber massive Vermögenseingriff.

Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat, ist in der KVdR pflichtversichert. Kapitalerträge spielen dann keine Rolle für die Krankenversicherungsbeiträge.

Wer jedoch VOR dem offiziellen Rentenalter aufhört, gilt als freiwillig versichert – und muss auf alle Kapitalerträge volle Beiträge zahlen. Zusätzlich kommen Abgeltungssteuer und Soli.

Mit einer Rente ab 73 bedeutet das: Viele Menschen durchlaufen sechs bis acht Jahre, in denen der Staat und die GKV gemeinsam einen großen Teil der privaten Altersvorsorge abschöpfen.

Politische Quelle:
BILD: „Regierungsberater fordern: Renten-Rumms! Deutsche sollen bis 73 arbeiten“

Die Dramatik beginnt lange vor dem Rentenalter

Kapitalerträge sind nicht planbar. Aktien steigen, fallen, verdoppeln sich – und manchmal bietet es sich an, eine Position zu verkaufen, bevor der Trend kippt.

Was viele nicht wissen:

Ein Verkauf im Alter von 65 oder 66 wird vom System behandelt, als hätte man ein ganzes Jahr lang Spitzenverdienst erzielt – mit maximalen Krankenversicherungsbeiträgen.

Dabei ist es völlig egal, ob:

  • man 40 Jahre eingezahlt hat,
  • man nicht mehr arbeiten kann,
  • man vorgesorgt hat,
  • der Gewinn einfach nur Glück oder Disziplin war.

Beispiel 1: Dividenden – die stille Halbierung

Viele leben im geplanten Ruhestand von Dividenden. Doch ohne KVdR sieht die Realität so aus:

2.000 Euro Dividenden pro Monat

Steuern

Abgeltungssteuer 25 %: 500 Euro
Soli: 27,50 Euro

Netto nach Steuer: 1.472,50 Euro

Krankenkasse

2.000 × 0.17 = 340 Euro

Netto

2.000 – 527,50 – 340 = 1.132,50 Euro

Es bleiben 56,6 Prozent.
Die effektive Belastung: 43,4 Prozent.

Im Rentnerstatus (KVdR): 1.472,50 Euro, also 74 Prozent Netto.

Beispiel 2: Verkauf einer Position, die sich stark entwickelt hat

Ein realistisches Szenario:

Eine Aktie stand letztes Jahr bei 60.000 Euro.
Sie hat sich stark entwickelt und steht jetzt bei 120.000 Euro.
Mit 66 Jahren sagst du:
„Ich verkaufe. Der Trend könnte kippen.“

Doch du bist noch kein Rentner, wenn das Rentenalter auf 73 steigt. Also gilt:

  • freiwillig versichert
  • Abgeltungssteuer + Soli
  • plus zwölf Monate Höchstbeitrag in der GKV

1. Steuer

120.000 × 0.25 = 30.000 Euro
Soli: 1.650 Euro
Steuern gesamt: 31.650 Euro

2. Krankenkasse

120.000 / 12 = 10.000 Euro fiktives Monatseinkommen
Beitragsbemessungsgrenze: ca. 4.987,50 Euro
4.987,50 × 0.17 ≈ 847,87 Euro pro Monat
× 12 Monate = 10.174 Euro

3. Gesamte Belastung

31.650 + 10.174 = 41.824 Euro

4. Netto

120.000 – 41.824 = 78.176 Euro

Der Staat und die Krankenkasse behalten: 34,8 Prozent.

Wenn die Abgeltungssteuer steigt (z. B. auf 30–35 %), steigt die Belastung auf 40–45 Prozent.

Beispiel 3: Acht Jahre Zwischenraum zwischen 65 und 73

Ein Mensch hört mit 65 auf, KVdR beginnt aber erst mit 73.

  • Dividenden: 1.500 Euro
  • Kursgewinne: 20.000 Euro
  • Sonstiges: 300 Euro

Krankenkassenlast:

Dividenden: 255 Euro
Sonstiges: 51 Euro
Kursgewinne: 283 Euro

Gesamt: 589 Euro pro Monat
× 12 = 7.068 Euro pro Jahr
× 8 Jahre = 56.544 Euro

Im KVdR: 0 Euro.

Warum Argumente wie „Dann verkauf halt später“ nicht funktionieren

Viele denken:
„Dann verkauf ich eben erst mit 73.“

Doch das ignoriert die Realität:

  • Aktien steigen nicht linear
  • Chancen kommen und gehen
  • Märkte drehen schnell
  • Portfolios müssen rebalanciert werden
  • Risiko steigt, wenn man nie Gewinne realisieren darf

Eine Aktie, die 120.000 Euro wert ist, kann in einem Jahr wieder 60.000 wert sein.

Das System zwingt also Menschen:

  • Gewinne nicht zu realisieren,
  • Risiken höher einzugehen,
  • Depots ungeeignet zu strukturieren,
  • oder horrende Abgaben zu zahlen.

Der eigentliche Punkt

Das System behandelt Kapitalentnahmen so, als wären sie Einkommen.
Ein Gewinn von 120.000 Euro wird so behandelt, als hättest du ein Jahr lang 10.000 Euro pro Monat verdient.

Dabei ist es:

  • kein Lohn
  • kein Gehalt
  • kein Erwerbseinkommen
  • sondern Vermögensumschichtung

Fazit

Eine Erhöhung des Rentenalters ist mehr als eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme. Sie ist eine massive, stille Erhöhung der steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Belastung für Anleger.

Die KVdR schützt Kapitalerträge.
Eine spätere Rente verschiebt diesen Schutz.
Die Folge sind:

  • sechs bis acht Jahre Doppel- und Dreifachbelastung
  • bis zu 50 Prozent Abzüge
  • entwertete private Vorsorge
  • massive Vorteile für Staat und Krankenkassen

Wer spart, investiert und Verantwortung übernimmt, wird nicht belohnt – sondern bestraft.