Die Millionengrenze: Warum die neue Erbschaftsteuer-Idee Wachstum abwürgt

Die Millionengrenze: Warum die neue Erbschaftsteuer-Idee Wachstum abwürgt
Photo by Julia Kadel / Unsplash

In Deutschland wird erneut über die Erbschaftsteuer diskutiert – diesmal mit einem Vorschlag, der weitreichende Folgen hätte. Aus dem politischen Raum kommt die Idee eines lebenslangen Freibetrags von rund einer Million Euro pro Erben. Alles, was darüber hinausgeht, soll künftig stärker besteuert werden.

Was als „mehr Gerechtigkeit“ verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein gefährliches Signal an Leistungsträger, Unternehmer und Investoren.


Worum es konkret geht

Der Kern der Idee ist schnell erklärt:

  • Die heute mehrfach nutzbaren Freibeträge sollen entfallen
  • Stattdessen soll es einen einmaligen Freibetrag über die gesamte Lebenszeit geben
  • Erbschaften und Schenkungen werden lebenslang zusammengerechnet
  • Die Grenze liegt bei etwa 1 Million Euro pro Erben
  • Für Betriebsvermögen sind Sonderregeln im Gespräch, die Grundlogik bleibt jedoch bestehen

Das ist kein technisches Detail, sondern ein grundlegender Eingriff in langfristige wirtschaftliche Anreize.


Eine Million heute ist nicht eine Million morgen

Was in der Debatte fast vollständig unter den Tisch fällt:
Diese eine Million ist ein nominaler Betrag.

In einer Welt dauerhafter Inflation bedeutet das:

  • Eine Million Euro heute entspricht in 30 Jahren real vielleicht noch 300.000 Euro Kaufkraft
  • Bei Sozialleistungen wird Inflation regelmäßig berücksichtigt
  • Bei Freibeträgen für Vermögensübertragungen hingegen nicht

Das Ergebnis ist eine kalte Enteignung durch Zeit.

Die Assets steigen nominal – Immobilien, Unternehmenswerte, Beteiligungen –
aber nicht, weil alle real reicher werden, sondern weil wir in einer Fiat-Geldordnung leben, in der Geldmenge und Preise strukturell wachsen.

Eine feste Millionengrenze ist damit kein stabiler Maßstab, sondern ein politischer Hebel.


Nominale Grenzen in einer inflationären Welt

Eine starre Grenze bedeutet faktisch:

  • Jedes Jahr schrumpft der reale Freibetrag
  • Jedes Jahr geraten mehr ganz normale Unternehmerfamilien über die Schwelle
  • Jedes Jahr steigt die Steuerlast, ohne dass ein Gesetz angepasst werden muss

Heute trifft es Vermögende.
Morgen den Mittelstand.
Übermorgen die nächste Generation von Unternehmensnachfolgern.


Leistungsträger sind längst nicht mehr vom Einkommen abhängig

Viele Unternehmer, Selbstständige und Investoren sind mit 45 bis 55 Jahren finanziell unabhängig.
Sie müssen nicht mehr arbeiten – sie entscheiden sich bewusst dafür.

Der entscheidende Antrieb ist dabei selten Konsum.
Es geht um Verantwortung, Gestaltung und vor allem um die Weitergabe des Lebenswerks.

Genau dieser Anreiz wird mit einer faktischen Vermögensobergrenze systematisch ausgehöhlt.


Was eine Millionengrenze real auslöst

Wenn der Staat signalisiert:
„Zusätzlicher Erfolg bringt deiner Familie langfristig keinen Nutzen mehr“,
dann ändert sich Verhalten. Still. Rational. Völlig vorhersehbar.

  • Investitionen werden zurückgestellt
  • Wachstum wird bewusst begrenzt
  • Risiko wird vermieden

Das ist kein Protest – das ist ökonomische Logik.


Teil II: Es geht auch anders – das Beispiel Schweden

Dass es auch einen anderen Weg gibt, zeigt ein Blick nach Schweden.

Dort wurde die Erbschaft- und Schenkungssteuer bereits 2005 vollständig abgeschafft.
Nicht aus Ideologie, sondern aus nüchterner Kosten-Nutzen-Abwägung.


Was nach der Abschaffung passiert ist

Die Folgen sind gut dokumentiert:

  • Unternehmensinvestitionen stiegen deutlich, weil keine Rücklagen mehr für Steuerzahlungen gebildet werden mussten
  • Die Zahl der gemeldeten Erbschaften nahm stark zu, weil Vermeidungsstrategien wegfielen
  • Kapital, das zuvor im Ausland geparkt war, floss zurück
  • Die gesamtstaatlichen Steuereinnahmen stiegen trotz Wegfall der Steuer

Die Erbschaftsteuer hatte zuvor nur einen sehr kleinen Anteil am Steueraufkommen, verursachte aber hohe volkswirtschaftliche Schäden.


Keine Explosion der Ungleichheit

Entgegen vieler Warnungen:

  • Die Vermögensungleichheit nahm nicht zu
  • In manchen Bereichen ging sie sogar leicht zurück
  • Unternehmensbeteiligungen wurden breiter gestreut
  • Gründungen und Beteiligungen nahmen zu

Die befürchtete Konzentration blieb aus.


Kapital kehrt zurück, wenn Anreize stimmen

Nach der Abschaffung:

  • kehrten vermögende Personen zurück
  • wurde Schweden wieder attraktiver als Standort
  • investierten Unternehmer wieder langfristig

Nicht aus Patriotismus, sondern weil die Rahmenbedingungen rational waren.


Der entscheidende Unterschied

Schweden hat verstanden:

  • Vermögen ist kein statischer Kuchen
  • Leistung reagiert auf Anreize
  • Wachstum entsteht nicht durch Begrenzung, sondern durch Vertrauen

Deutschland diskutiert stattdessen über Obergrenzen, Nominalwerte und symbolische Gerechtigkeit.


Fazit

Eine feste Millionengrenze in einer inflationären Fiat-Geldwelt ist kein fairer Maßstab,
sondern ein schleichendes Instrument zur Ausweitung staatlicher Ansprüche.

Das Beispiel Schweden zeigt:
Weniger Besteuerung kann mehr Investitionen, mehr Transparenz und mehr Steuereinnahmen bedeuten.

Wer Leistung nach oben deckelt, bekommt weniger Leistung.
Wer Anreize setzt, bekommt Wachstum.

Die Frage ist nicht, ob es Alternativen gibt –
sondern warum man sie in Deutschland konsequent ignoriert.