Die Kunst des Weglassens – wie Medien mit halben Wahrheiten ganze Meinungen formen

Die Kunst des Weglassens – wie Medien mit halben Wahrheiten ganze Meinungen formen

Die Medien müssen heute gar nicht mehr offen lügen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
Es reicht, gezielt Informationen wegzulassen – also nur so viel zu zeigen, dass ein gewünschter Eindruck entsteht.
Man nennt das: Framing durch Auslassung.

Ein aktuelles Beispiel liefert der WDR mit dem Beitrag:

„Die Zahl der Einkommensmillionäre steigt seit Jahren. Anna Planken trifft Multimillionär Josef Rick. Er gehört zum obersten Prozent der Gesellschaft und spricht offen darüber, dass er fast keine Steuern zahlt.“

Quelle: ARD-Mediathek – „Wer kann das bezahlen? Arbeit! Was wir verdienen“ (WDR)

Das klingt empörend – bis man merkt, dass die gezeigte Steuererklärung aus dem Jahr 1999 stammt.
Die damaligen Abschreibungsmodelle und Verlustverrechnungen gibt es längst nicht mehr.

Heute zahlt ein Einkommensmillionär – also jemand mit 1.000.000 € zu versteuerndem Einkommen – rund 454.000 € Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag.
Fast die Hälfte des Einkommens geht an den Staat.

Doch dieser entscheidende Fakt wird im Beitrag nicht erwähnt.
Stattdessen entsteht der Eindruck, Superreiche würden in Deutschland kaum Steuern zahlen.


Framing durch Auslassung

Das ist kein Einzelfall, sondern Methode.
Die Technik nennt sich Framing durch Auslassung:
Man sagt nichts Falsches – aber man lässt das entscheidende Drittel der Wahrheit weg.

Typische Muster:

  • Historische Fälle werden gezeigt, als wären sie aktuell.
  • Einzelbeispiele werden verallgemeinert („Einer zahlt keine Steuern, also zahlen alle keine“).
  • Strukturelle Fakten (z. B. heutige Steuergesetze) werden ausgeblendet.
  • Emotionale Begriffe („Millionär“, „obere 1 %“) ersetzen nüchterne Zahlen.

So entsteht nicht objektive Aufklärung, sondern gefühlte Empörung.
Und Empörung ist das eigentliche Produkt, das sich im Fernsehen am besten verkauft.


Der ideologische Unterbau: Gleichmacherei als Tugend

Es fällt auf: Wann immer öffentlich-rechtliche Sender über Reiche, Eigentümer oder Unternehmer berichten, wird nicht differenziert, sondern nivelliert.
Reichtum ist verdächtig, Eigentum ist „sozial ungerecht“, Erfolg muss relativiert werden.

Man kann fast sagen: Es geht nicht mehr darum, dass jeder etwas Eigenes aufbaut, sondern dass alle ungefähr gleich wenig haben.
Das Individuum wird zum Störfaktor in einer Gesellschaft, die nach Gleichheit der Ergebnisse strebt – nicht nach Gleichheit der Chancen.

Das erinnert an die alte Idee des Volkseigentums:
In der DDR sollte alles „allen“ gehören – und am Ende kümmerte sich niemand mehr um den Erhalt des Eigentums.
Häuser verfielen, Werkhallen rotteten, ganze Betriebe verschwanden, weil Verantwortung anonymisiert wurde.

Heute wiederholt sich dieses Muster auf neue Weise:

  • Immobilienbesitzer werden als „Miethaifonds“ diffamiert,
  • Unternehmer als „Krisengewinnler“,
  • Wohlhabende als „Profiteure des Systems“.

Dabei ist es genau dieses private Eigentum, das funktioniert, weil der Eigentümer sich kümmert.
Was „allen“ gehört, zerbröselt.
Was jemandem gehört, wird gepflegt.

Doch der gesellschaftliche Trend geht in die andere Richtung:
Immer mehr Regulierung, Umverteilung, Zentralisierung – und die Begleitmusik dazu liefern die Medien, die dieses Narrativ mit Geschichten füttern:

„Die Millionäre zahlen keine Steuern.“
„Der Markt versagt.“
„Wir brauchen mehr Staat.“

Das ist kein Zufall, sondern ein emotionales Drehbuch:
Empörung → Schuldzuweisung → Staatslösung.


Die neue Planwirtschaft im Kopf

Die DDR ist nicht wegen zu wenig Planung gescheitert – sie ist wegen zu viel Planung gescheitert.
Weil Menschen keine Zahnräder sind, die man in einer zentralen Maschine ausrichten kann.

Doch heute hört man wieder dieselben Sätze:

„Wir müssen die Wirtschaft steuern.“
„Der Markt allein regelt das nicht.“
„Wir müssen alle an einem Strang ziehen.“

Und wieder wird das Individuum untergeordnet – diesmal nicht unter der Flagge des Kommunismus, sondern unter der des Klimaschutzes, der sozialen Gerechtigkeit oder des Gemeinwohls.

Die Parole bleibt dieselbe:

Du brauchst nichts besitzen, der Staat regelt das für dich.

Die Heuchelei der Gleichmacher

Viele der lautesten Stimmen für „soziale Gerechtigkeit“ sitzen selbst auf sicheren, überdurchschnittlich bezahlten Posten – oft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in Ministerien oder in subventionierten Projekten.

Ein Redakteur beim WDR oder ZDF verdient zwischen 50.000 und 70.000 Euro brutto im Jahr – mit Kündigungsschutz, Altersversorgung und Medienpräsenz.
Er gehört damit selbst zum oberen Viertel der Einkommensverteilung in Deutschland.

Wenn diese Menschen dann über „Reiche“ schimpfen und fordern, „alle sollen gleich verdienen“, müsste man konsequenterweise sagen:

„Dann gebt euer Gehalt doch frei – und verdient so viel wie der Durchschnittsbürger mit 36.000 Euro.“

Aber das passiert natürlich nicht.
Weil es nie um echte Gleichheit geht, sondern um moralische Überlegenheit.

Gleichheit soll immer die anderen betreffen – nicht einen selbst.
Und so verteidigt jeder seine kleine Komfortzone, während er gleichzeitig eine Welt predigt, in der niemand mehr herausragen darf.

Das ist die eigentliche Ironie:
Die neuen Gleichmacher leben vom System, das sie selbst bekämpfen – und nennen das dann Haltung.


Fazit

Die moderne Desinformation funktioniert nicht über Lügen, sondern über das Weglassen.
Das Ergebnis ist eine moralisch aufgeladene Öffentlichkeit, in der der Staat immer stärker wird – und der Einzelne immer kleiner.

Die DDR nannte es Volkseigentum.
Heute nennt man es Gemeinwohl.
Das Ergebnis bleibt dasselbe:

Wenn alle gleich sind, kümmert sich keiner mehr.