Commerzbank: Vom Sanierungsfall zum Comeback-Kandidaten

Commerzbank: Vom Sanierungsfall zum Comeback-Kandidaten
Photo by Andreas Maier / Unsplash

Es gibt Aktien, die viele Anleger längst abgeschrieben haben – und genau dann überraschen sie mit einer beachtlichen Rückkehr.
Die Commerzbank ist so ein Fall. Lange galt sie als Symbol für das Scheitern deutscher Bankenpolitik, doch in den letzten Jahren hat sie eine bemerkenswerte Wendung genommen.


Vom Höhenflug zum Absturz

In den frühen 2000er-Jahren war die Commerzbank einer der Hoffnungsträger des deutschen Finanzsektors.
2007 kostete eine Aktie über 200 Euro, kurz bevor die weltweite Finanzkrise ausbrach. Dann kam der Absturz:

  • Die Übernahme der Dresdner Bank 2008 erwies sich als finanzielles Desaster.
  • Der Staat musste einspringen, wurde Großaktionär, und die Bank verlor ihr Image als stabile Adresse.
  • Jahrelang kämpfte sie mit Altlasten, schwacher Profitabilität und zu vielen Filialen.

Über ein Jahrzehnt dümpelte der Kurs im Bereich von 5 bis 10 Euro. Viele Anleger hielten sie für einen verlorenen Fall.


Die Zinswende bringt den Wendepunkt

Erst mit der Zinswende der Europäischen Zentralbank änderte sich das Bild.
Ab 2022 stiegen die Zinsen wieder – und plötzlich verdienten Banken an ihrem klassischen Geschäft, der Kreditvergabe, wieder Geld.
Die Commerzbank profitierte überproportional, weil sie stark im deutschen Mittelstand verankert ist und ein breites Privatkundengeschäft hat.

2023 erzielte sie den höchsten Gewinn seit 15 Jahren.
Im Jahr darauf kehrte sie sogar in den DAX zurück – ein symbolträchtiger Schritt, der zeigte, dass die Bank wieder zur ersten Liga gehört.


Der Einfluss der Italiener

Doch die jüngste Kursdynamik hat noch eine zweite Ebene:
Die italienische Großbank UniCredit S.p.A. hat sich schrittweise an der Commerzbank beteiligt – zunächst mit 9 %, später mit rund 26 %.
Die EZB genehmigte den Erwerb von bis zu 29,9 %, was formal unter der Schwelle einer Übernahme bleibt, strategisch aber brisant ist.

UniCredit-Chef Andrea Orcel sieht in Deutschland einen attraktiven Markt, der sich gut mit dem italienischen Geschäft ergänzen ließe.
Offiziell spricht man von einer „strategischen Partnerschaft“, doch im Hintergrund läuft eine stillschweigende Machtprobe um Einfluss.
Die Bundesregierung steht einer vollständigen Übernahme skeptisch gegenüber – immerhin hält der Bund selbst noch rund 15 % an der Commerzbank.


Ein günstiges Umfeld aus Südeuropa

Interessanterweise passt diese Entwicklung in ein größeres Bild:
Die italienische Wirtschaft steht aktuell besser da, als viele erwartet hätten.
Unter Premierministerin Giorgia Meloni hat Rom Haushaltsdisziplin bewiesen und könnte laut WELT sogar bald das Drei-Prozent-Defizitziel erreichen.
Ratingagenturen wie Scope Ratings haben Italiens Bonität auf „positiven Ausblick“ gesetzt.

Das heißt: Auch aus makroökonomischer Sicht kommt die neue Stärke der Commerzbank teilweise aus einem Umfeld, das selbst stabiler geworden ist.


Zwischen Aufholpotenzial und Altlasten

Trotz aller Fortschritte bleibt die Aktie ein Zykluswert:
Sie profitiert stark von Zinsen, Konjunktur und Vertrauen.
Langfristig ist sie immer noch weit entfernt von den Niveaus vor der Finanzkrise – wer 2007 gekauft hat, liegt trotz des jüngsten Anstiegs von 8 € auf über 30 € weiterhin tief im Minus.

Aber auf Sicht der letzten Jahre hat sie sich verdreifacht.
Das zeigt: Selbst ein angeschlagener Banktitel kann wieder zur Chance werden – wenn die Rahmenbedingungen stimmen und sich die Marktstimmung dreht.


Fazit

Die Commerzbank steht heute besser da als noch vor wenigen Jahren, doch sie bleibt kein Selbstläufer.
Ihr Schicksal hängt an zwei Hebeln: der Zinsentwicklung und der strategischen Zukunft mit UniCredit.
Für Anleger ist sie weniger ein Wachstumswert als ein Gradmesser dafür, wie sich das Vertrauen in klassische Banken erneuert.

Manchmal zeigt sich: Auch eine vermeintlich vergessene Aktie kann zurückkommen – aber nur, wenn sie sich die zweite Chance wirklich verdient.