Berkshire Hathaway – ein Krisenasset für Zeiten geopolitischer Brüche?
Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und der EU nehmen zu.
Handelskonflikte, regulatorische Drohungen, Strafzölle und politische Einflussnahme auf Unternehmen sind längst keine theoretischen Risiken mehr, sondern reale Szenarien.
Für Anleger stellt sich deshalb nicht mehr nur die Frage: Welche Aktie kaufe ich?
Sondern: Wie muss mein Setup aussehen, damit es auch dann noch funktioniert, wenn Zugänge, Märkte oder Staaten zeitweise versagen?
1. Wenn Handelskonflikte real werden, ändern sich die Spielregeln
Ein Handelskonflikt bedeutet nicht zwangsläufig:
- Börsen schließen
- Eigentum verschwindet
- Unternehmen hören auf zu existieren
Sehr viel wahrscheinlicher sind:
- Handelssperren
- Einschränkungen für bestimmte Anlegergruppen
- regulatorische Blockaden
- politische Zugriffshebel auf nationaler Ebene
Das Risiko liegt dann nicht primär im Unternehmen, sondern im Zugriff des Anlegers auf sein Asset.
2. Eigentum und Zugriff sind zwei verschiedene Dinge
Eine Aktie wird oft als reines Handelsinstrument wahrgenommen.
Tatsächlich ist sie aber vor allem eines:
Ein Anteil an einem handelnden Unternehmen.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Auch wenn ein Aktionär:
- zeitweise nicht verkaufen kann
- keinen Zugriff auf sein Depot hat
- regulatorisch blockiert ist
arbeitet das Unternehmen weiter:
- es erwirtschaftet Cashflows
- es investiert
- es verkauft Beteiligungen
- es kauft neue Unternehmen
Die Frage lautet also: Kann das Unternehmen für mich weiterarbeiten, auch wenn ich selbst gerade handlungsunfähig bin?
3. Berkshire Hathaway als „handelndes Vehikel“
Berkshire Hathaway ist keine klassische Aktie – sondern eine diversifizierte Beteiligungsgesellschaft mit eigener Kapitalallokation.
Das bedeutet:
- Berkshire kauft und verkauft permanent Unternehmen und Beteiligungen
- Entscheidungen werden zentral vom Management getroffen
- Kapital wird unabhängig vom einzelnen Aktionär eingesetzt
- Liquidität und Cash-Reserven sind außergewöhnlich hoch
Selbst wenn ein Anleger seine Berkshire-Aktie jahrelang nicht bewegen kann, bleibt das Unternehmen voll handlungsfähig.
Man könnte es so formulieren:
Die Aktie ist möglicherweise gelähmt – das Unternehmen ist es nicht.
4. Warum das kein Gazprom-Szenario ist
Das oft zitierte Beispiel Gazprom zeigt, warum dieser Unterschied so wichtig ist.
Bei Gazprom war nicht nur die Handelbarkeit eingeschränkt.
Der eigentliche Schaden entstand durch:
- staatliche Dominanz
- politische Instrumentalisierung
- fehlende unternehmerische Autonomie
- Zerstörung des ökonomischen Kerns
Selbst wenn solche Aktien irgendwann wieder eingebucht werden, kann der Wert dauerhaft zerstört sein.
Berkshire Hathaway ist strukturell das Gegenteil:
- privatwirtschaftlich geführt
- unabhängig von staatlicher Lenkung
- global diversifiziert
- kapitalmarktunabhängig im operativen Geschäft
5. Internationale Verwahrung und steuerliche Ruhe
Für deutsche Anleger kommt ein weiterer Punkt hinzu:
Berkshire Hathaway:
- zahlt keine Dividenden
- löst keine laufenden steuerlichen Ereignisse aus
- erzeugt keine regelmäßigen Cashflows ins Inland
- eignet sich ideal für Buy-and-Hold
In Kombination mit einer internationalen Verwahrung bedeutet das:
- geringere nationale Zugriffsmöglichkeiten
- weniger Zwangsereignisse
- mehr strukturelle Ruhe im Depot
Das schützt nicht vor Steuern – aber vor unnötiger Sichtbarkeit und operativen Eingriffen.
6. Warum die USA als Wirtschaftsraum entscheidend sind
Unabhängig von politischer Bewertung bleibt eine Tatsache bestehen:
Die USA sind die stärkste und resilienteste Marktwirtschaft der Welt.
- tiefste Kapitalmärkte
- funktionierende Eigentumsrechte
- unternehmerische Kultur
- hohe Innovationskraft
Der Versuch, sich durch rein nationale Anlagen „abzusichern“, wirkt dagegen zunehmend fragwürdig.
Die deutsche Industrie:
- verliert international an Wettbewerbsfähigkeit
- leidet unter Regulierung und Energiepreisen
- bietet immer weniger attraktive Investitionsmöglichkeiten
Die vermeintliche Sicherheit des Heimatmarktes entpuppt sich zunehmend als Klumpenrisiko.
7. Das Gedankenexperiment: 20 Jahre ohne Zugriff
Angenommen:
- geopolitischer Konflikt
- jahrelange Einschränkungen
- kein Zugriff auf das Depot
Welche Aktie würde man dann ruhigen Gewissens halten wollen?
Eine, bei der man sagen kann:
„Auch ohne mein Zutun wird hier weiterhin vernünftig gearbeitet.“
Berkshire Hathaway ist eine der sehr wenigen Aktien, auf die diese Aussage zutrifft.
8. Fazit
Berkshire Hathaway ist kein risikofreies Asset.
Aber es ist ein Asset, das auch ohne permanente Handelbarkeit Sinn ergibt.
- Das Unternehmen handelt weiter
- Das Management allokiert Kapital
- Wertschöpfung findet unabhängig vom Anleger statt
- Politische Zyklen sind kürzer als unternehmerische Zeiträume
Wenn ich mir vorstelle, nach 20 Jahren wieder Zugriff auf mein Depot zu bekommen, gibt es nur sehr wenige Aktien, bei denen ich sagen würde:
„Damit kann ich gut leben.“
Berkshire Hathaway gehört dazu.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar, sondern beschreibt eine persönliche Denkstruktur im Umgang mit geopolitischen und strukturellen Risiken.