400 Euro im Monat: Über 1,38 Mio. Euro mit der Allianz-Aktie – nur ca. 235.000 Euro mit der Lebensversicherung
Lebensversicherungen gehören in Deutschland seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Sparprodukten. Viele Verträge werden über 30 Jahre oder länger abgeschlossen, häufig mit monatlichen Beiträgen zwischen 200 und 400 Euro. Auf dem Papier sehen diese Verträge solide aus: garantierte Werte, keine Kursschwankungen, planbare Auszahlung. Doch was passiert wirklich, wenn man diese Sparrate nicht in eine Lebensversicherung, sondern in die Aktie des Versicherers investiert hätte?
Dieser Artikel zeigt genau das – und erklärt, warum Lebensversicherungen vor allem ein psychologisches Produkt sind, das Menschen in der Gegenwart anspricht, aber langfristig meist enttäuscht.
Die Psychologie der glatten Linie
Der Kernmechanismus ist simpel:
Eine Lebensversicherung zeigt keine Schwankungen. Keine roten Zahlen, keine Kursbrüche, keine Panik. Der Vertragswert steigt jedes Jahr ein bisschen. Egal, was an der Börse passiert.
Dieses Gefühl von Stabilität bezahlt der Kunde jedoch teuer.
Denn hinter den Kulissen legt die Versicherung die Beiträge selbstverständlich in Anlagen an, die schwanken – Aktien, Anleihen, Immobilien, Infrastrukturprojekte. Dort entstehen die echten Renditen. Die Versicherung kassiert sie ein, glättet sie und reicht dem Kunden einen kleinen, stabilisierten Ausschnitt weiter. Ein Teil der Rendite bleibt im Unternehmen, nicht beim Versicherungsnehmer.
Man zahlt also vor allem dafür, die Schwankungen nicht sehen zu müssen.
Warum Menschen die Verträge trotzdem unterschreiben
Ein wichtiger psychologischer Faktor ist die Darstellung der Ablaufleistung. Versicherungen arbeiten gerne mit großen Zahlen in der Zukunft.
Vor 30 Jahren, also zu D-Mark-Zeiten, hätte eine garantierte oder prognostizierte Ablaufleistung von 500.000 DM auf viele Menschen riesig gewirkt. Es war eine Summe, die man fast ehrfürchtig betrachtet hat. Aus heutiger Sicht ist es immer noch viel Geld – aber in Relation zur Inflation, den Immobilienpreisen und der allgemeinen Vermögensentwicklung deutlich weniger beeindruckend.
Heute kostet eine Eigentumswohnung in Hamburg problemlos eine Million Euro, also zwei Millionen DM. Im damaligen Kontext unvorstellbar.
Versicherungsverträge nutzen genau diesen Effekt:
Eine große Zahl wirkt heute groß, auch wenn sie in 30 Jahren real kaum Wertzuwachs bedeutet. Ein guter Vertrieb weiß das – und verkauft entsprechend.
Rechnung: 400 Euro pro Monat über 30 Jahre
- Monatliche Sparrate: 400 Euro
- Laufzeit: 30 Jahre
- Gesamteinzahlung: 144.000 Euro
1) Lebensversicherung – ca. 3,8 % Rendite
Endwert nach 30 Jahren:
ca. 235.000 Euro
Stabil, sicher – aber inflationsbereinigt kaum Vermögenszuwachs.
2) Allianz-Aktie – ca. 13,3 % Rendite (historisch)
Endwert mit Dividendenreinvestition:
ca. 1.380.000 Euro
Die gleiche Sparrate.
Der gleiche Zeitraum.
Ein Ergebnis, das weit über eine Million Euro liegt – und damit mehr als das Sechsfache einer Lebensversicherung.
Die Renditelücke
1.380.000 Euro
–
235.000 Euro
=
1.145.000 Euro Differenz
Eine Differenz von über einer Million Euro – allein dafür, dass man über 30 Jahre keine Schwankungen sehen wollte.
Was hier wirklich passiert
Die Lebensversicherung:
- investiert am Kapitalmarkt,
- glättet die Schwankungen,
- und gibt dem Kunden nur eine konservative, stark reduzierte Rendite weiter.
Die eigentliche Wertschöpfung entsteht dort, wo die Versicherung investiert – bei den Kapitalmärkten, nicht im Versicherungsprodukt.
Jeder könnte theoretisch selbst das tun, was die Versicherung tut: langfristig investieren, Dividenden reinvestieren, diszipliniert bleiben. Doch die meisten schrecken vor Schwankungen zurück. Genau dieser psychologische Faktor ist das Fundament des Geschäftsmodells.
Warum Lebensversicherungen trotzdem wieder als „attraktiv“ verkauft werden
In letzter Zeit tauchen vermehrt Artikel auf, die behaupten, die Lebensversicherung sei „zurück“. Gemeint ist meist, dass die Überschussbeteiligungen leicht steigen, weil die Zinsen nicht mehr bei null liegen.
Doch am grundlegenden Verhältnis ändert das wenig:
- Die Verzinsung bleibt niedrig.
- Die Inflation ist höher.
- Die Kapitalmärkte schlagen Versicherungsprodukte über lange Zeiträume nahezu immer.
- Die Stabilität ist teuer erkauft.
Lebensversicherungen sind ein psychologisches Produkt – kein Renditeprodukt.
Fazit
Wer 400 Euro im Monat investiert, steht vor einer einfachen Wahl:
- Ein Produkt, das Schwankungen ausblendet, dafür aber langfristig geringe Renditen liefert.
- Oder ein Investment, das Schwankungen zeigt, dafür aber langfristig ein Vielfaches an Vermögen aufbaut.
Die Lebensversicherung gibt Ruhe.
Die Aktie gibt Vermögen.
Die Differenz beträgt über eine Million Euro.
Merksatz
Dinge, die dir Rendite bringen, musst du aktiv selbst kaufen.
Dinge, die anderen Rendite bringen, werden dir verkauft.