2025 – Das Jahr der drei großen Blasen
2025 war kein normales Börsen- oder Politikjahr. Es war ein Blasenjahr – ökonomisch, politisch und gesellschaftlich.
Einordnung
2025 war geprägt von drei dominanten Narrativen:
- der KI-Euphorie an den Finanzmärkten,
- der Wohlstandsillusion in Deutschland,
- der allgegenwärtigen Trump-Debatte.
Blasen sind kein moralisches Urteil. Sie entstehen, wenn sich Preise, Erwartungen oder politische Hoffnungen zu weit von den ökonomischen Fundamentaldaten entfernen. Häufig begünstigt durch billiges Geld, politische Bequemlichkeit und mediale Übersteuerung.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob es Blasen gibt, sondern:
Welche davon platzt – und was folgt daraus?
1. Die KI-Blase: Innovation trifft Überbewertung
Künstliche Intelligenz ist real.
Produktivitätsgewinne sind real.
Die Technologie selbst ist nicht das Problem.
Das Problem sind die Bewertungen.
Nach klassischer Überinvestitionstheorie – etwa bei Friedrich August von Hayek – entstehen Blasen dort, wo:
- Kapital künstlich billig ist,
- Liquidität nach Rendite sucht,
- Euphorie rationale Bewertung ersetzt.
Genau das ist aktuell zu beobachten:
- massive Kapitalzuflüsse in US-Technologieunternehmen,
- enorme Investitionen in Rechenzentren,
- zunehmende fremdfinanzierte Expansion statt Cashflow-getriebenem Wachstum.
Der Nasdaq notiert historisch betrachtet deutlich über den Bewertungsniveaus der Dotcom-Spitze.
Das bedeutet nicht, dass KI scheitert. Es bedeutet nur:
Die Erwartungen sind schneller gestiegen als die Realität.
Ein mögliches Platzen der KI-Blase wäre keine Katastrophe, sondern eine Marktbereinigung.
So wie nach 2000, als viele Unternehmen verschwanden, aber wenige starke Gewinner übrig blieben.
2. Die Wohlstandsblase in Deutschland: Die gefährlichste aller Blasen
Diese Blase wird nicht an Börsenkursen sichtbar.
Sie platzt nicht plötzlich. Sie sickert.
Deutschland lebt seit Jahren von einer Illusion:
- ein stetig wachsender Sozialstaat,
- stabile Leistungen,
- hohe Abgaben
– ohne entsprechendes Produktivitätswachstum.
Demografie, Zinswende und wirtschaftliche Stagnation zeigen längst:
Dieses Modell ist nicht dauerhaft finanzierbar.
Die politische Reaktion besteht nicht aus Reformen, sondern aus:
- Aufweichung der Schuldenbremse,
- Umschichtung von Investitionsmitteln in Sozialausgaben,
- politischer Schonung der größten Wählergruppe.
Die Konsequenzen:
- steigende Belastung der Erwerbstätigen,
- sinkende Investitionsdynamik,
- wachsende politische Polarisierung.
Diese Blase endet nicht in einem Knall, sondern in einem langsamen Realitätsabgleich.
Sinkender Lebensstandard für viele, wachsender Frust, schwindendes Vertrauen.
3. Die Trump-Blase: Europäische Wahrnehmung vs. politische Realität
Kaum ein Name dominierte 2025 so sehr wie Donald Trump.
In Europa entwickelte sich daraus eine eigene Blase:
- permanente Empörung,
- Endzeit-Rhetorik,
- der Eindruck völliger Planlosigkeit.
Doch nüchtern betrachtet zeigt sich ein anderes Bild:
- Zölle dienen als Verhandlungsinstrument, nicht als Selbstzweck,
- Investitionszusagen werden erzwungen,
- geopolitische Gegner wirtschaftlich eingebunden,
- Europa stärker in sicherheitspolitische Verantwortung gedrängt.
Unabhängig vom Stil ist die Politik strategischer, als viele Schlagzeilen suggerieren.
Möglicherweise lebt Europa weniger in einer Trump-Blase als in einer Beobachtungsblase, die Lautstärke mit Substanz verwechselt.
Was bedeutet das für 2026?
Blasen zu identifizieren ist leicht.
Den Zeitpunkt ihres Platzens vorherzusagen, ist unmöglich.
Aber eines ist sicher:
- Wenn Finanzblasen platzen, kehren Märkte zu Fundamentaldaten zurück.
- Wenn Wohlstandsillusionen enden, werden Reformen unausweichlich.
- Wenn politische Mythen zerfallen, wird Realität sichtbar.
Blasen zu platzen ist unangenehm – aber notwendig.
Sie sind der Moment, in dem sich Systeme ehrlich machen.
Für Anleger bedeutet das:
- Narrative kritisch hinterfragen,
- Innovation von Bewertung trennen,
- politische Versprechen nicht mit ökonomischer Tragfähigkeit verwechseln.
2026 wird kein bequemes Jahr.
Aber es könnte ein klärendes werden.