Vier ausgebombte Aktien mit Comeback-Chance
An der Börse wechseln Euphorie und Ernüchterung in schneller Folge. Aktien, die zuvor als unantastbar galten, finden sich plötzlich im Keller wieder. Für Investoren mit Geduld können solche Situationen Chancen bieten – nicht als Garantie, sondern als Möglichkeit, dass aus einem Absturz ein Comeback wird.
1) UPS – Paketdienst unter Druck
NYSE: UPSUnited Parcel Service gehört zu den Schwergewichten der Logistikbranche. Mit einem globalen Netzwerk und starker Marktstellung in den USA war UPS lange ein Stabilitätsanker im Depot konservativer Anleger. Doch die Realität der letzten zwei Jahre zeigt ein anderes Bild: hohe Kosten, steigende Löhne, schwächeres Paketvolumen im Privatkundengeschäft und ein insgesamt abgekühlter E-Commerce belasten die Zahlen. Die Aktie ist deutlich vom Hoch zurückgefallen.
Das Unternehmen kämpft zudem mit einer gewissen Zyklizität: Geht es der US-Konjunktur gut, steigen Volumen und Margen. In Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit geraten die Netzwerkeffekte ins Gegenteil – Leerkapazitäten kosten Geld. Anleger stellen sich die Frage: Handelt es sich um eine temporäre Delle oder um strukturelle Probleme? Immerhin hat UPS in den letzten Jahren bewiesen, dass es Kosten disziplinieren und Preise durchsetzen kann. Die Cashflows sind weiterhin solide, auch wenn die Dynamik nachgelassen hat.
Ein mögliches Szenario: Sollte die US-Wirtschaft nicht in eine tiefe Rezession fallen und sich das Online-Handelsvolumen stabilisieren, dürfte UPS wieder in die Spur finden. Die Dividendenrendite ist attraktiv, die Bilanz solide. Kurzfristig besteht jedoch das Risiko, dass Investoren Geduld brauchen, bis Kostensenkungen und Preisanpassungen greifen. Für antizyklische Anleger bleibt UPS ein spannender Kandidat – aber ohne Sicherheitsnetz.
2) Zoom – vom Pandemie-Helden zum Sorgenkind
NASDAQ: ZMKaum ein Titel steht so sinnbildlich für den Hype und den Absturz der Pandemie-Jahre wie Zoom. In Hochzeiten des Homeoffice schien das Videokonferenz-Tool unverzichtbar, der Kurs explodierte. Heute ist die Ernüchterung groß: das Wachstum hat sich massiv verlangsamt, Margen schrumpfen, und die Konkurrenz durch Microsoft Teams oder Google Meet ist stärker denn je. Die Aktie notiert weit unter den alten Höchstständen.
Doch ganz abschreiben sollte man Zoom nicht. Das Unternehmen hat eine beachtliche Nutzerbasis und versucht, über neue Funktionen wie KI-gestützte Meeting-Zusammenfassungen oder eine erweiterte Produkt-Suite wieder zu punkten. Besonders im Enterprise-Segment könnte die Firma stabile Einnahmen sichern, wenn es gelingt, die Kunden enger zu binden und Zusatzservices zu verkaufen. Cash-Reserven sind vorhanden, und Zoom investiert in organisches Wachstum.
Die Risiken bleiben jedoch erheblich: Der Markt hat sich normalisiert, Preisdruck ist hoch, und es fehlt an einem klaren Moat gegenüber den Big Tech-Konkurrenten. Für Investoren, die an eine Wiederentdeckung von Effizienztools glauben, könnte Zoom eine Wette auf das Comeback sein. Aber klar ist: Das Unternehmen muss beweisen, dass es nicht nur ein Pandemie-Phänomen war.
3) BHP Group – Rohstoffriese im Zyklustief
NYSE: BHPDie australische BHP Group zählt zu den größten Rohstoffkonzernen der Welt, mit Schwerpunkten auf Eisenerz, Kupfer, Kohle und zunehmend Nickel. Nach Jahren hoher Preise kam die Ernüchterung: China wächst schwächer, die Nachfrage nach Stahl und damit Eisenerz schwächelt, und die Energiepreise sind volatil. Das hat auch die Aktie deutlich gedrückt. Anleger fürchten, dass die goldenen Zeiten im Rohstoff-Superzyklus vorbei sind.
Dennoch hat BHP einige Trümpfe. Kupfer ist ein Schlüsselmetall für die Elektrifizierung der Weltwirtschaft – von Elektromobilität bis erneuerbare Energien. Hier verfügt BHP über hochwertige Assets und Projekte. Dazu kommt eine konservative Bilanzpolitik, die es erlaubt, in schwächeren Zeiten die Dividendenpolitik fortzusetzen. Für Investoren, die antizyklisch auf Rohstoffe setzen wollen, bietet BHP damit eine Basisposition mit Stabilitätsfaktor.
Das Risiko ist offensichtlich: Rohstoffpreise lassen sich nicht planen, und geopolitische Spannungen können Absatzmärkte oder Projekte belasten. Wer BHP kauft, setzt also auf den langfristigen Trend Elektrifizierung – und nimmt die üblichen Zyklen bewusst in Kauf. Für einen Turnaround könnte allein schon ein stabilerer Kupferpreis reichen, um die Stimmung zu drehen.
4) Mohawk Industries – Bauzulieferer mit Zinshebel
NYSE: MHKMohawk Industries ist einer der größten Bodenbelagshersteller der Welt. Das Geschäft hängt eng mit dem Neubau- und Renovierungsmarkt zusammen – und genau hier liegt das Problem. Steigende Zinsen haben die Bauwirtschaft weltweit abgebremst, Investitionen in neue Immobilien gehen zurück, und Verbraucher halten sich bei Renovierungen zurück. Entsprechend sind Umsatz und Gewinn von Mohawk unter Druck geraten, die Aktie ist weit zurückgefallen.
Langfristig ist die Story jedoch nicht tot. Wohnraum bleibt knapp, insbesondere in den USA und Europa. Sobald die Zinsen wieder sinken und Baufinanzierungen erschwinglicher werden, dürfte die Nachfrage nach Bodenbelägen und Renovierungen anziehen. Mohawk verfügt über ein breites Produktportfolio und kann von einer Erholung des Immobilienmarkts profitieren. Die Fixkosten sind hoch, aber genau das sorgt in Aufschwungphasen für einen deutlichen Hebel auf die Margen.
Die Risiken liegen auf der Hand: Sollte der Zinszyklus länger hoch bleiben, droht eine anhaltende Schwächephase. Zudem sind Rohstoff- und Energiekosten für die Produktion entscheidend. Investoren, die antizyklisch einsteigen, wetten darauf, dass die nächste Bauwelle irgendwann kommt – und Mohawk dann wieder Boden gutmacht.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Die Porträts dienen zur Illustration von möglichen Turnaround-Szenarien. Jeder Investor sollte eigene Recherche betreiben und Chancen wie Risiken abwägen.
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– Bullish One